Von Paul Klügl

Vor zwei Wochen brach die Verbindung zwischen dem schweizerischen Buchs und dem liechtensteinischen Schaan ab: Die Brücke zwiden den beiden Ortschaften Vaduz, dem Hort von Tausenden von Steuerfluchtgesellschaften, liegt in den hochgehenden Fluten des Rheins.

Doch was die seit Monaten immer vehementer werdenden Angriffe Bundesfinanzminister Möllers und seiner Genossen gegen die deutschen Steuerflüchtlinge nicht fertig brachten, gelang auch den gewaltigen Mengen an Schmelzwasser nicht. Munter und ohne Unterbrechung pilgert die deutsche Kundschaft auf Umwegen weiter zu den einschlägigen Adressen im Fürstentum Liechtenstein.

Möllers erklärte Absicht, den Steuerflüchtlingen endgültig das Handwerk zu legen, scheint sogar eher das Gegenteil bewirkt zu haben. Die steuermüden deutschen Millionäre beeilen sich, ihr Schäfchen noch vor dem Erlaß eines Steuerfluchtgesetzes ins trockene zu bringen.

Die Zahl der praktisch ausschließlich der Steuerersparnis dienenden Basis- und Domizilgesellschaften in Liechtenstein hat schon längst die Einwohnerzahl des kleinen Fürstentums überschritten. "Wie viele es genau sind, weiß niemand, doch schätze ich sie auf rund 25 000", erläutert ein prominenter Gesellschaftsgründer. "Jeden Tag kommen neue Gesellschaften dazu, oft Dutzende; täglich werden aber auch zwecklos gewordene Gesellschaften gelöscht."

Zwar betonen die Liechtensteiner die Internationalität ihrer Kundschaft. Doch im Gespräch ist immer wieder nur von Deutschen die Rede. Der Grund, warum deutsche Staatsbürger von Liechtenstein angelockt werden wie der Bär vom Honigtopf, liegt auf der Hand: Die Steuerverhältnisse sind wirklich paradiesisch. Auf Kapital und Reserven einer Gesellschaft ist jährlich nur eine Steuer von ein Promille – mindestens 400 Franken – zu zahlen. Die verhaßten Ertragssteuern gibt es für Domizil- und Holdinggesellschaften grundsätzlich nicht. Andere Gesellschaften zahlen höchstens zwölf Prozent des Reinertrages.

Diskretion ist in Vaduz Ehrensache. So verzichtet man auf die Veröffentlichung des Handelsregisters. Wer Auskünfte braucht, kann sich an das fürstliche Registeramt in Vaduz wenden. Bevor die Liechtensteiner Beamten jedoch gesprächig werden, muß man ihnen ein begründetes Interesse an der Auskunft geltend machen. Es versteht sich von selbst, daß Steuerschnüffeleien ausländischer Steuerbehörden in liechtensteinischen Augen alles andere als "begründet" sind.