DIE ZEIT

Isoliert sich Israel?

Was viele Israelis seit langem befürchtet haben, ist jetzt eingetreten: Israel fühlt sich allein gelassen. Und das, wovor gleichfalls viele Israelis in der letzten Zeit gewarnt haben, hat sich bestätigt: Israel ist isoliert.

Agnew in Asien

Der amerikanische Vizepräsident Agnew ist Nixons Spezialist für undankbare Aufgaben. Die aggressive Rolle, die ihm der Präsident in der Innenpolitik zugedacht hat (die er allerdings mit Genugtuung spielt), bescherte ihm zwar eine große Anhängerschaft, aber auch sehr viele Feinde.

Kredit für den Kreml

Läse man nur Bild oder Welt, dann wäre der Eindruck unabweisbar, daß es sich bei dem geplanten Lastwagengeschäft mit der Sowjetunion um nichts anderes handle.

Ein ganz neues Bonn-Gefühl

Das ist nicht in dem versimpelten, versimpelnden Sinne zu verstehen, der einen sonst so nüchtern urteilenden Beobachter der Weltbühne wie Joseph C.

Abschied von der Vergangenheit

Gesichter in Friedland: Die Frauen hatten Tränen in den Augen. In ihren Gesichtern lag Hoffnung, aber auch Angst. Mit der einen Hand winkten sie, mit der anderen hielten sie ihre selbstgebastelten Plakate hoch, so, daß jeder sie sehen konnte.

ZEITSPIEGEL

Der kleine Ort Stukenbrock bei Bielefeld soll am 5. September zum Symbol werden für das gewandelte Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

Die Bundesrepublik besteht aus zehn Bundesländern – ohne Westberlin. Nach 21 Jahren wollen jetzt einige Ministerpräsidenten den Auftrag des Grundgesetzes, Artikel 29, erfüllen. In Zukunft soll es nur noch fünf Länder geben. Aber es ist ungewiß, wie und wann der Plan verwirklicht werden kann.: Das Puzzle mit den Bundesländern

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Kühn ist ins Fettnäpfchen getreten. Er wagte es, von der Neugliederung des Bundesgebiets zu sprechen, und schlug vor, an Stelle der zehn Bundesländer (Berlin nicht mitgerechnet) deren fünf zu schaffen.

Die "Tauben" sind verstummt

Golda Meir legte die sieben Bogen ihrer Rede zusammen. Sie hatte alles gesagt, was sie für das Bankett im Tel Aviver Hilton-Hotel vorbereitet hatte.

An getrennten Tischen

Am Sitz der Vereinten Nationen in New York haben drei Wochen nach der Ausrufung des Waffenstillstands die Verhandlungen über eine Nahost-Regelung begonnen.

Ulbricht ist am Zug

Sieben Tage, nachdem Kossygin und Gromyko Bundeskanzler Brandt und seiner Delegation auf dem Flugplatz Wnukowo zum Abschiec lange nachgewinkt hatten, begrüßten sie die führenden Männer aus den Ländern des Warschauer Pakts.

Der Herbst wird munter

An den Türen des Plenarsaals im Bundeshaus hängen Schilder: "Vorsicht, frisch gestrichen!" Drinnen, wo an heißen Sitzungstagen Redeschlachten ausgetragen werden, werkeln auf hohen Gerüsten friedlich die Maler.

J. J. S. S. wird gebremst

Jean-Jacques Servan-Schreiber – Spitzmarke: J. J. S. S. – hat erfahren müssen, daß man leichter "Herzog von Lothringen" wird als Führer der nichtkommunistischen Linken Frankreichs.

Mit Baß und Violine

Leser des SED-Zentralorgans "Neues Deutschland", die sich auf die Kunst verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen, müssen am Vorabend des 21.

Union will sich entscheiden

Die Diskussion um den deutsch-sowjetischen Vertrag dauert an. Während zahlreiche Politiker der Union in den letzten Tagen heftige Kritik an dem Vertragswerk übten, kündigte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Stoltenberg, an, die Opposition werde ihre Bedenken in Kürze grundsätzlich präzisieren.

Cholera: Europa erreicht

Neun Jahre nach seinem Auftreten in Celebes hat der El-Tor genannte Erreger der Cholera Südosteuropa erreicht und im Nahen Osten sowie in der russischen Schwarzmeerküste eine bislang unbekannte.

Nahost-Gespräch begann

Die indirekten Vorverhandlungen über eine Friedensregelung für den Nahen Osten haben begonnen. Am Sitz der Vereinten Nationen in New York führt UN-Sonderbeauftragter Gunnar Jarring getrennte Unterredungen mit den Verhandlungsführern der drei beteiligten.

Bonn erläutert Haltung zu Cabora Bassa

Die Bundesregierung hat ihre Haltung zum Bau des Staudammes Cabora Bassa in Portugiesisch-Mozambique in einem Brief erläutert, den der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz Kühn in der sambesischen Hauptstadt Lusaka Staatspräsident Kaunda überreichte.

Dokumente der ZEIT

"Die ägyptischen Massenkommunikationsmittel begeben sich gegenwärtig auf einen gefährlichen Kurs. Diese Massenmedien konzentrieren sich, in einer besonderen, ins Auge fallenden Weise auf die ägyptische nationale und regionale Eigenständigkeit.

Indochina: Relativ ruhig

In Kambodscha herrschte in den letzten Tagen offensichtlich Kampfstille. Nachdem es noch am Wochenende zu heftigen Kämpfen um die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh gekommen war, unterbrachen Nordvietnamesen und Vietcong ihre Offensive.

Feste spielen trotz Hunger und Krieg

In seinem verdienstreichen und Verdienst mehren wollenden Buch über "Festspiele in Salzburg" schreibt der Salzburger Journalist, Politiker und Festspiel-Direktor Josef Kaut: "Festspiele sollen Vollendetes aus vielen Bereichen zeigen und so einen Reichtum an Werken und Formen, an Dirigenten, Orchestern und Sängern mit all ihren Besonderheiten darbieten, der vielleicht manchmal bunt und verwirrend erscheinen mag, dessen Vielfalt aber auch den besonderen Reiz und die Freude der Wahl und des Vergleiches gewährt.

Gerechter Zorn oder Boykott?

Wolfgang Kieling ist ein hervorragender Schauspieler. Ob er "als Mensch" für seine Zeitgenossen immer opportune oder ihnen auch nur vernünftig erscheinende politische Entscheidungen trifft, wird in den Zeitungen in letzter Zeit viel und gern diskutiert.

Warte noch ein Weilchen...

Da hat ein Anthropologe eine Theorie aufgestellt, nach der alle Menschen früher eine dunkle Hautfarbe hatten, die sich bei den späteren Weißen erst verlor, als diese aus sehr sonnigen Gegenden in ungünstigere Klimazonen vordrangen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Was ist denn Liebe anderes als Schmerzen? Eine Frage, die die Gedicht-Dichter und die Schlager-Dichter damals, um 1600 herum, besonders heftig bewegt hat.

Top-Partner des Swing

Jean-Paul Belmondo erhält in Godards "Une femme est une femme" von Anna Karina auf die Frage, warum sie traurig sei, die Antwort: "Weil ich in einer Musikkomödie mit Cyd Charisse und Gene Kelly, Choreographie von Bob Fosse, sein möchte.

Arrabal und die Folgen

Hellmuth Karasek führte in seiner Betrachtung, der er mit etwas zu feinsinniger Ironie den Titel "Über das gesunde Fühlen" (ZEIT Nr.

Kunstkalender

Hein Heckroth war Maler, Bühnenbildner, Filmausstatter. Seinen größten Erfolg hatte er mit dem Film "Die roten Schuhe". Bei der Arbeit fürs Fernsehen hat er einige wichtige Ideen entwickelt, statt der üblichen Szenenausstattung sollte eine Folge von Bildern neben der Handlung herlaufen, eine Untermalung mit künstlerischem Eigenwert, Teil einer umfassenden Dramaturgie.

ZEITMOSAIK

Diesmal geht es dem Playboy-Magazin nicht um das "Playgirl des Monats", sondern um den "Regisseur des Jahrhunderts". Die Wahl fiel auf Roman Polanski, und er soll nun, so wollen es Hugh Hefner und sein Kompagnon Victor Lowndes, den "Barden des Jahrtausends" verfilmen – Macbeth.

Antigone, schizophren

Von ihrem Geliebten, einem wohl schon älteren Herrn jüdischer Herkunft, begleitet, geistert die neue Antigone als Touristin durch das Hellas der Militärdiktatoren, um ihren verschollenen, verschleppten, vielleicht zu Tode gefolterten, vielleicht auf der Flucht erschossenen Bruder zu suchen.

Max Jacob, der mystische Clown

Max Jacob, Bohemien und Dichter, Warenhausverkäufer, Kunstkritiker, Astrologe, Sonntagsmaler, Kanzleischreiber und schließlich Pförtner im Benediktinerkloster Saint Benoîtsur-Loire, zum Freundeskreis Picassos gehörig, mit dem er zusammen das "Bateau-Lavoir" auf dem Montmartre bewohnte – dieser verrückte und entrückte Sonderling Max Jacob feiert heuer seine Entdeckung in Deutschland, wo man ihn nahezu gar nicht kennt.

KRITIK IN KÜRZE

"Die Passagiere der Penelope", Roman von Albert Hochheimer. Der Autor, 1900 geboren, hat nicht wenige Sachbücher und Hörspiele veröffentlicht.

Dibs lernt Lachen

Zu den verschiedenen ermutigenden Büchern über antiautoritäre Erziehungsmethoden, Kinderanalyse und -psychologie, die in den letzten Jahren immer stärkere Beachtung zumindest bei den fortschrittlichen Eltern und Erziehern fanden, ist ein Buch hinzugekommen,, besondere Aufmerksamkeit verdient.

Sex-Messe in Offenbach: Ab-Phallprodukte

Die Veranstalter dankten Offenbachs Behörden für die "liberale Haltung" und versprachen, nach biblischem Vorbild den zehnten Teil ihrer Einnahmen den Armen und Bedürftigen der Stadt zu spendieren.

Kommune als Zuflucht: Dirk darf bleiben

Die Berliner Fürsorgeerziehungsbehörde hatte im Fall des 15jährigen Dirk-Alexander S. entschieden, daß er – viele Male aus den verschiedensten Erziehungsheimen entwichen – an seinem letzten Zufluchtsort, in der Kreuzberger Kommune "Theatergruppe Rote Steine" bleiben könne.

Aus einer Urteilsbegründung: Kummer mit Polizeispitzel

Nachdem der Angeklagte Ende Dezember 1969 aus der für das Amtsgericht Pforzheim erlittenen Untersuchungshaft entlassen worden war und in Pforzheim als Vertrauensmann der Kriminalpolizei gearbeitet hatte, sollte er als Vertrauensmann der Kriminalaußenstelle Biberach die hiesige, damals sehr aktive Gruppe der APO überwachen.

Ein Häftling schreibt: Ich zeige Reue

Dies stand in einem Brief, der an die Redaktion der ZEIT adressiert war. Der Absender ist ein 27jähriger junger Mann, Wolfgang Gabel, der in Stuttgart in Untersuchungshaft sitzt.

Science-Fiction-Anhänger in Heidelberg: Rückschritte in den Fortschritt

Liebe amerikanische Muttis, beleibt und ungelenk, watschelten im Badeanzug und irgendeinem Flitterüberwurf, der leider auch nichts verdeckte, auf die Bühne der Heidelberger Stadthalle, drehten eine Runde, posierten neckisch vor einer Schar Photographen und traten wieder ab; sie wurden begleitet oder gefolgt von krummbeinigen, schüchternen oder gravitätisch einherschreitenden, ähnlich karnevalistisch gewandeten Männern, die Pistolen oder Degen schwenkten oder die Zähne bleckend "Rrrrr" machten.

Fernsehen: Immer denk’ ich an Westerland

Bitte, schauen Sie lieber aufs Meer, meine Herren" (würde ich sagen, wenn ich, Gott bewahre mich davor, Kurdirektor von Westerland wäre und im Angesicht eines schußbereiten Kamerateams meine Hochhaus-City in einen homerischen locus amoenus umwandeln müßte), "wen interessieren schon diese bescheidenen Wolkenkratzer in Ihrem Rücken? Die nehmen Sie besser in Stuttgart auf oder in München, und was unseren Giganten angeht, Westerlands künftiges Wahrzeichen, die Hundertmeterwabe mit den Parkplätzen unter der Erde .

FILMTIPS

"Die Gräfin und ihr Oberst", von Jerzy Skolimowski. Ein ironischer Abenteuerfilm um einen Offizier der napoleonischen Spanienarmee, Obristen der Cheveaux Lagers, der seinen Kaiser, den Soldatenküsser, mehr liebt als die schöne Claudia Cardinale.

Verlage werden volljährig

Kaum ein anderer Wirtschaftszweig in der Bundesrepublik weist noch so viele patriarchalische Züge auf wie die Presse. Obwohl die Konzentration große Konzerne schuf, halten deren Schöpfer noch immer am alten Stil des allein verantwortlichen und allein gewaltigen Unternehmers fest; gleichgültig ob es sich um Springer, Gruner + Jahr, Spiegel, Bauer oder Burda handelt.

Genosse gegen Eidgenossen

Vor zwei Wochen brach die Verbindung zwischen dem schweizerischen Buchs und dem liechtensteinischen Schaan ab: Die Brücke zwiden den beiden Ortschaften Vaduz, dem Hort von Tausenden von Steuerfluchtgesellschaften, liegt in den hochgehenden Fluten des Rheins.

Vatikan: Der große Ausverkauf

Die vatikanische Finanzverwaltung atmet auf. In dem amerikanischen "Equity Fund" hat sie einen Käufer für ihre seit Jahren verlustreiche Spaghetti-Produktion gefunden.

Ostgeschäfte: Der gute Stern an der Wolga

Wenn es nach dem sowjetischen Minister für die Automobilindustrie Tarasow geht, soll der Mercedes-Stern – Werbeslogan: "Dein guter Stern auf allen Straßen" – spätestens 1974 an der Kama, einem der größten Nebenflüsse der Wolga, aufgehen.

Italien: Pleite mit Pfirsichen

Allein die Pfirsichernte ist um die Hälfte auf dreizehn Milliarden Doppelzentner gestiegen. Italien, das sich gern als Obstgarten Europas sieht, hat in den vergangenen Jahren die Anbauflächen erheblich ausgeweitet.

ZEITRAFFER

Hersteller und Fachhändler haben sich auf der Funkausstellung in Düsseldorf, "Funk 70", gegenseitig für Mißstände auf dem Farbfernsehgeräte-Markt verantwortlich gemacht: Die Hersteller werfen den Händlern vor, unqualifizierte Fachkräfte zu beschäftigen; die Händler dagegen führen eine "Schwarze Liste" über Firmen, die schlechte Ware liefern.

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