Die Ergebnisse des Ostblock-Gipfeltreffens haben die Bundesregierung ermutigt, auch die Beziehungen zu den anderen Ostblockstaaten zu intensivieren. Dabei legt Bonn – nach den schlechten Erfahrungen in Moskau – auf Geheimhaltung noch größeren Wert. Wie Bonn den Kontakt mit einem Ostblockstaat aufnimmt, das zeigt dieser streng geheime Fernschreibwechsel, den ich nun preisgebe, um nicht für einen undeutsch fühlenden Menschen gehalten zu werden. Nur der Name der östlichen Hauptstadt ist erfunden:

Bonn: Schlagen vor, unsere Beziehungen nach 25jähriger Unterbrechung sofort zu normalisieren. Bitte dieses FS gleich zu vernichten. Und zu vergessen. Wir haben unsere Gründe.

Prkosch: Einverstanden. Erbitten Vorschlag, wann Beginn der Vorgespräche erwünscht.

Bonn: Das sind die Vorgespräche! Dürfen keine Zeit verlieren. Wie wär’s mit Verhandlungsbeginn übermorgen? Paraphieren könnten die beiden Außenminister den Vertrag dann Freitag. Erbitten Nachricht, ob Kanzler Donnerstag abend eintreffen kann.

Prkosch: Geht ein bißchen schnell. Was halten Sie von November?

Bonn: Nichts. Nach den beiden Landtagswahlen? Möchten Sie lieber mit Barzel und Strauß verhandeln?

Prkosch: Nein. Also gut: nächste Woche. Schlagen Ihnen jetzt schon einen Botschafteraustausch vor.