Was viele Israelis seit langem befürchtet haben, ist jetzt eingetreten: Israel fühlt sich allein gelassen. Und das, wovor gleichfalls viele Israelis in der letzten Zeit gewarnt haben, hat sich bestätigt: Israel ist isoliert. Es wurde gleichsam gezwungen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.

Die Araber jedenfalls haben den Israelis erst einmal den Rang abgelaufen, wenngleich es zweifelhaft bleibt, wie ernst sie es mit ihrer Verhandlungsbereitschaft meinen. Sie haben durchgesetzt, daß vorläufig nur die Botschafter, mit dem UN-Vermittler Jarring als Zwischenträger, beraten. Jordaniens König Hussein hat den Palästinensern einen Teil seines Landes versprochen, sobald es von den Israelis geräumt worden ist. Nasser versucht, den Partisanenchef Arafat zu besänftigen. All das macht Eindruck auf die Weltöffentlichkeit.

Von den Israelis aber ist derweil wenig an Kompromißbereitschaft zu spüren. Sie stehen, ob zu Recht oder zu Unrecht, als Störenfriede da. Sollte nicht nur der Druck Washingtons auf Israel zunehmen, sondern obendrein auch noch die Furcht der Israelis wachsen, in die Ecke gedrängt zu werden, dann könnten leicht ihre Sicherungen durchbrennen, und aufs neue könnte das nahöstliche Pulverfaß explodieren.

Jetzt zeigt es sich, wie schlecht die israelische Regierung beraten war, als sie mehr Zeit und Energie auf die militärische Verteidigung verwandte als auf die Vorbereitung einer politischen Lösung des Konfliktes. Hätte sie früh genug zu erkennen gegeben, zu welchen Zugeständnissen sie unter bestimmten Bedingungen bereit ist, wäre ihre Isolierungsangst heute gegenstandslos. D. St.