Von George Thayer

Ende 1952 hatte Cummings endgültig erkannt, wieviel Geld im Waffengeschäft zu machen war; er sah die hohen Profite von Western Arms, die er ja zum Teil selbst ins Haus geholt hatte, und fragte sich, warum er die Gewinne nicht allein einstecken sollte. Seine Mitarbeit in der CIA hatte ihn in Verbindung mit allen wichtigen Leuten in und außerhalb der Regierung gebracht, und er nahm an, daß sich auch daraus Kapital schlagen ließe. Also beschloß er, auf eigene Rechnung zu handeln.

Wie er selbst berichtet, hatte er sich im Februar 1953 im Finanzministerium und der Abteilung für Munitionskontrolle des Außenministeriums als Waffenhändler eintragen lassen; nun setzte er sich an seine Schreibmaschine und fragte bei Ministern und Stabschefs in aller Welt an, ob sie Waffen zu verkaufen hätten. Geschickt setzte er einen Phantasienamen auf den Briefkopf – International Armament Corporation – und streute sorgsam viele Male ein „wir“ in den Text ein, obwohl die „Gesellschaft“ aus ihm allein bestand.

Nach entsprechender Zeit erhielt er eine Antwort von Colonel (jetzt Brigadegeneral) Bolivar Vallarino, der damals der mächtige Leiter ‚ von Panamas nationaler Polizeitruppe war; Vallarino hatte Waffen zu verkaufen, und zwar ein buntes Sortiment von etwa 7000 Stück, angefangen bei Toledoklingen, Molotow-Cocktails und Geschützen aus dem neunzehnten Jahrhundert bis zu den neuesten Gewehren und Maschinengewehren. Cummings bot 25 000 Dollar – seine ganzen Ersparnisse – und erhielt dafür den Vorrat. Er lieferte ihn sofort an seinen ehemaligen Arbeitgeber Jackson und strich das ein, was manche Leute als „bescheidenen Gewinn“ bezeichnen, während andere meinen, er habe sein Geld dabei verdoppelt.

An diesem Punkt seiner Karriere brauchte Cummings allerdings sehr viel mehr Kapital, um das große Geschäft zu machen, das ihm vorschwebte. Er fand es schließlich bei dem Chikagoer Bankier Sidney Lerwin, der ihm mit mehr als 50 000 Dollar zu Hilfe gekommen sein soll. 1958 machte Cummings Lerwin das Angebot, ihn auszukaufen. Zwei neue Gesellschaften, Interarmco (heute Interarms) Limited und Hunters Lodge entstanden in Alexandria/Virginia, um Cummings’ neue Geschäftsbasis zu bilden.

Schon bevor Cummings die Firma ganz in der Hand hatte, gab es keinen Zweifel, daß er auf dem richtigen Pferd saß und den potentiellen Markt ausbeuten konnte. Er stand kurz vor seiner ersten Million. Er kannte den Markt. Er hatte gute Beziehungen, entsprechenden Rückhalt und gute Witterung für das Geschäft. Er startete mit dem Aufbau seines eigenen Reichs überdies genau in dem Augenblick, als die großen Mergen von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg den Markt zu überschwemmen begannen. Zu Beginn der fünfziger Jahre waren es übrigens nicht nur die stärker industrialisierten Staaten, die ihre alte Bewaffnung losschlagen wollten, um sich an Raketenartillerie umzustellen, sondern nun erschien auch eine ganz neue, wachsende Gruppe von Nationen auf dem Plan, die alles an Waffen übernahm, was zu bekommen war. Die Nachfrage schien hier genauso unstillbar wie an dem amerikanischen Markt. Mit solchen Voraussetzungen konnte Cummings in eine rosige Zukunft blicken.

Dem Panama-Handel, der Cummings einen so hübschen Profit eingebracht hatte, folgte bald ein zweites großes Geschäft, diesmal in Guatemala. Nach allgemeiner Annahme hat die CIA im Jahre 1954 die Revolution gesteuert, die das prokommunistische Regime des Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán stürzte. Drei Jahre vor der Revolution hatte die amerikanische Regierung Arbenz einen kleineren Posten Waffen zu sehr niedrigen Preisen verkauft, um ihn unabhängiger von den Lieferungen aus den Ostblockstaaten zu machen. Ein Teil der Geschäfte wurde über Cummings abgewickelt; er soll einige tausend Gewehre verkauft haben, die er für 50 Cent pro Stück von der amerikanischen Regierung bezog und für vier Dollar, zuzüglich Transportkosten, an Guatemala verkaufte.