Die Diskussion um den deutsch-sowjetischen Vertrag dauert an. Während zahlreiche Politiker der Union in den letzten Tagen heftige Kritik an dem Vertragswerk übten, kündigte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Stoltenberg, an, die Opposition werde ihre Bedenken in Kürze grundsätzlich präzisieren. Nach einer Tagung des CDU-Präsidiums sollen Arbeitsgruppen der Fraktion sowie der Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zusammentreten, um die Voraussetzungen für einen konstruktiven Dialog mit der Bundesregierung über die Ostpolitik zu formulieren.

In zahlreichen Interviews hatten Oppositionspolitiker immer wieder kritisch zu dem deutsch-sowjetischen Vertrag Stellung genommen. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, von Wrangel, bemängelte vor allem die in Moskau paraphierten Absichtserklärungen der Bundesregierung, "weil darin erstmals Demarkationslinien und Mauer völkerrechtlich legitimiert werden". Der CDU-Abgeordnete Marx erklärte, wer behaupte, das deutsch-sowjetische Abkommen schaffe normale Verhältnisse in Europa, der habe den Sinn der verwendeten Worte vergessen oder sich auf die sowjetisch-imperialistische Interpretation des Begriffes eingelassen.

Der CDU-Vorsitzende Kiesinger mußte sich wegen seiner Feststellung, die Union werde dem deutsch-sowjetischen Vertrag nicht zustimmen, scharfe Kritik vom Bundesvorsitzenden der Jungen Union, Echternach, gefallen lassen. Eine eindeutige Ablehnung des deutsch-sowjetischen Abkommens forderte der Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, der SPD-Bundestagsabgeordnete Hupka, auf einer Vertriebenenversammlung in Friedland.

Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um den deutsch-sowjetischen Vertrag wurde mit besonderem Interesse die Meldung von dem möglichen Bau eines Lastkraftwagenwerkes in der Sowjetunion unter der Konsortialführung von Daimler-Benz registriert. Wie Regierungssprecher Ahlers mitteilte, ist die Bundesregierung bereit, den Bau des Werkes mit anderen europäischen Firmen durch eine Kreditbürgschaft zu fördern.