Die Welt hätte Diogenes nicht gekannt, wenn er in einer Dreizimmerwohnung gelebt hätte.

W. Koletschizkij

Schlag zu, Macduff

Diesmal geht es dem Playboy-Magazin nicht um das "Playgirl des Monats", sondern um den "Regisseur des Jahrhunderts". Die Wahl fiel auf Roman Polanski, und er soll nun, so wollen es Hugh Hefner und sein Kompagnon Victor Lowndes, den "Barden des Jahrtausends" verfilmen – Macbeth. Kein Than von Korda, nur ein Schuß Shakespeare – so stellt sich Multimillionär Hefner die Story vor, die den Anhängern des Internationalen Playboy-Clubs und darüber hinaus der "permissive society" insgesamt die Nerven kitzeln soll. Im Lichte der Playboy-Philosophie ist "Macbeth" die Tragödie eines impotenten Mannes, der durch eine skrupellose Frauenrechtlerin kastriert wird. Der englische Kritiker Kenneth Tynan ("O Calcutta") brütet schon über dem Textbuch, und Roman Polanski, der polnische Produzent von Leinwandhorror und Vampirismus, hat seine Zähne, wie die Times berichtet, schon tief in das Macbeth-Fleisch geschlagen. Versprochen wird ein großes Höllentheater mit schwarzer Magie und Walpurgisnacht, und für Playboys und Playgirls einmal eine völlig neue Version von "Schlag zu, Macduff" – vorausgesetzt, sie kennen überhaupt eine.

Experiment Straßenkunst

Die Stadt Hannover", so teilt sie mit, "ist im Begriff, ein ungewöhnliches Experiment zu starten." Ein Experiment ist es tatsächlich und ungewöhnlich auch, selbst wenn es anderswo ein paar schüchterne Versuche gegeben hat: Oscar Fritz Schuh machte für die Unterprivilegierten Salzburgs Straßentheater umsonst, die oberpfälzische Kleinstadt Schwandorf probierte gerade eine Art von Kunsthappening aus. Hannover plant mehr, für mehr Geld und gleich für drei Jahre. Titel: "Experiment Straßenkunst." Kunst soll im wörtlichen Sinne auf die Straße gebracht werden oder sich da vollziehen: Man stellt "Freiplastiken und große Freiraumobjekte" auf, veranstaltet auf der Straße Theater, Pantomimen, Musik, auch "Aktionen, Happenings und spielerische Unternehmungen". Allerdings: die Kunst, wie auch immer verstanden, soll sich nicht selber genügen, sondern auch etwas bezwecken, nämlich "die urbane Verbesserung des City-Bereiches Hannover". Kurz: Man will die Stadt beleben. Am Sonnabend und Sonntag fängt das Experiment an mit einem Altstadtfest. Wie der dreijährige Versuch ausgeht, ist offen, aber das ist Experimenten nun einmal zu eigen.

Heinrich Strobel

Ein einziges Mal resignierte er: Als im Juni vergangenen Jahres junge Musiker eine Satzungsänderung für das Weltmusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik anstrebten, mißverstand er das als einen Angriff gegen ihn, der dreizehn Jahre dieser Gesellschaft präsidierte – und grollend trat er zurück. Zwischen 1927 und 1938 und nach 1945 hatte er der Neuen Musik den Weg freigekämpft, früher als Musikkritiker in Berlin, nach dem Kriege als Hauptabteilungsleiter beim Südwestfunk, als spiritus rector in Donaueschingen, als Herausgeber des Melos, als Buchautor, als Librettist, als Mitglied des Musikrates der Unesco. Er war ohne Zweifel lange Zeit der Musikpapst der Moderne, nicht nur in Deutschland: kein Komponist von Rang, der sich ihm nicht verpflichtet fühlen muß, keine Polemik gegen die zeitgenössische Musik, in der nicht auch er angegeifert worden wäre. Am 18. August starb Heinrich Strobel, 72 Jahre alt, in Baden-Baden am Herzschlag.