Der amerikanische Vizepräsident Spiro Agnew kehrte von seiner siebentägigen Südostasienreise zurück Aus Südkorea, Formosa, Südvietnam, Kambodscha und Thailand brachte er die Überzeugung zurück, daß sich die Lage seit Januar stabilisiert habe und Nixons neue Asienpolitik überwiegend akzeptiert worden sei: militärisches Disengagement der USA gegen verstärkte amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe. Alle Bedenken vermochte Agnew freilich nicht auszuräumen.

So forderte Südkorea eine schriftliche Bestätigung für den sofortigen Einsatz von US-Truppen im Falle eines bewaffneten Angriffs aus Nordkorea. Über den geplanten Abzug von 20 000 der am 38. Breitengrad stationierten 64 000 Amerikaner gab es keine grundsätzliche Übereinstimmung. Seoul verlangt, daß dem Abzug der GIs eine Verstärkung der amerikanischen Ristungshilfe zum Abschluß des Modernisierungsprogrammes der südkoreanischen Armee vorausgehen muß. Ein Druckmittel hat Seoul in der Hinterhand: Es könnte seine 50 000 Mann aus Südvietnam heimrufen.

In Formosa, wo nur eine kleine amerikanische Garnison liegt, gab es die geringsten Probleme. In Saigon informierte sich Agnew über Einzelheiten des Truppenabzugs aus Südvietnam in den kommenden Monaten: Bis Oktober sollen 50 000, bis April 1971 nach Ankündigung Nixons weitere 100 000 Soldaten abgezogen werden. Nächstes Frühjahr werden nur noch 286 000 Amerikaner in Südvietnam stehen. Agnew betonte, die USA würden nur eine aus freien Wahlen hervorgegangene Koalitionsregierung in Saigon akzeptieren.

Bei einem aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehaltenen Blitzbesuch in Kambodscha sagte Agnew der Regierung in Phnom Penh Waffen- und Wirtschaftshilfe, jedoch keine Verstärkung des militärischen Engagements zu. Im Notfall könne allerdings der geplante Abzug von 150 000 Mann aus Südvietnam revidiert werden. Agnew stellte fest, daß über 50 Prozent der in Kambodscha stehenden Vietcong- und nordvietnamesischen Truppen „eliminiert“ worden seien. Daher sei ein neuer amerikanischer Militäreinsatz nicht erforderlich.

Thailand hat aus der Nixon-Doktrin Konsequenzen gezogen: Es will seine 12 000 Mann aus Südvietnam abziehen. Begründung: Es brauche sein Militär zum Schutz der eigenen Grenzen.