Von Wolfram Siebeck

Hätten Sie Lust, in einer Fernsehsendung ein paar verbindende Worte zu sprechen, Herr Siebeck?“ Eine überraschend angenehme Stimme war das, die mich da am Telephon zu Probeaufnahmen ins Fernsehstudio einlud.

„Wieso ausgerechnet ich?“ fragte ich den Herrn, der mich dort empfing. Er bewies eine verblüffende Menschenkenntnis: „Wir suchen jemand, der witzig und liebenswürdig ist, jemand mit einer sympathischen Ausstrahlung.“

Witzig, liebenswürdig, mit einer sympathischen Ausstrahlung – das klingt nicht schlecht. Dabei haben sie mich vorher nicht einmal gesehen. Jedenfalls wissen sie, was sie wollen. Der nächste, der sich um mich kümmerte – waches, intelligentes Gesicht –, riet mir, in meiner witzigen Art einfach in die Kamera zu plaudern. „Das ist doch für Sie eine Kleinigkeit, Herr Siebeck“, versicherte er mir und qualifizierte sich damit für einen Job an verantwortungsvoller Stelle. „Hier ist das Exposé für unsere geplante Sendung. Wenn Sie das mal durchlesen wollen...“

Ich las: „Der durch die Sendung führende Moderator sollte geistreich und skurril sein, dabei liebenswürdig und von sympathischer Ausstrahlung...“ Irgend jemand mußte mich wohl doch kennen. Endlich mal eine wirklich gute Sendung, dachte ich und las weiter: „... mit einem Wort: eine Art Ideal-Opa.“

Kurz vor dem Pförtnerhaus hatten sie mich eingeholt. „Aber so bleiben Sie doch“, keuchte der zukünftige Intendant. „Wir sind doch längst von unserer ursprünglichen Konzeption abgekommen. Jedenfalls was den Opa betrifft.“ Die anderen nickten bestätigend. Mir fiel auf, daß sie alle jünger waren als ich, aber nach diesen knapp 300 Metern japsten sie ganz schön.

Sie nahmen mich in die Mitte und brachten mich in den Raum mit dem roten Licht über der Tür. Dort stellten sie mich an eine Wand und richteten die Kamera auf mich. Einer wollte mir die Augen verbinden, aber ich stieß ihn zurück und bat um eine letzte Zigarette. Sie brachten die Scheinwerfer in Stellung, und dann gab der mit der Menschenkenntnis das Kommando.