Von Christian Herchenröder

Jahrelang hat ein unaufhaltsamer Kunstboom gerade die Sommerauktionen der Moderne zu sensationsverdächtigen Aktionsfeldern für Sammler, Händler und Spekulanten gemacht. Noch im letzten Juni meldeten die Pariser Auktionatoren mit Sisley einen neuen Franc-Millionär, ganz zu schweigen von den Londoner Auktionsrekorden, nach denen Impressionisten und Nachimpressionisten ohnehin mit Spitzennotierungen im Bietgefecht lagen.

In diesem Sommer nun bekamen selbst die erfolggewohnten angelsächsischen Marktlieferanten eine ungewöhnliche Skepsis der Käufer zu spüren; sie signalisierte, daß als Folge der weltweiten Börsenmisere auch zahlungsfähige Sammler sich abwartend verhielten.

Das Charakteristikum dieses Sommers ist ein auffälliges Desinteresse an Werken mittlerer Qualität; die Durchschnittsarbeit, im Zuge der allgemeinen Hausse durch den erfolgversprechenden Namen in den elitären Kaufsog geraten, mußte plötzlich vor einem wählerisch gewordenen Auktionspublikum auf der Strecke bleiben. Kein Wunder, daß in den Auktionen des deutschsprachigen Raumes, in Hamburg, München und Bern, in diesem Jahr vor allem Objekte reüssierten, die durch Einmaligkeit, unantastbare Provenienz und Museumsreife aus dem Rahmen fielen.

Die Amerikaner, die noch im letzten Jahr den deutschen Bietern ihre Dollarübermacht bewiesen hatten, gaben sich diesmal äußerst reserviert..

Diese Konstellation zeichnete sich bereits in Hauswedells Auktion moderner Kunst ab, in deren Zentrum auch diesmal wieder wesentliche Werke des deutschen Expressionismus standen. Kernstück der über 1300 Katalognummern war das 1907 entstandene Munch-Gemälde „Badender“, eine Studie zu dem im gleichen Jahr entstandenen Triptychon „Badende Männer“. Das aus einer Privatsammlung übernommene Werk wurde nach der Auktion von einem norwegischen Privatsammler für 150 000 Mark erworben (Taxe: 200 000).

Auch Corinths spätes Gemälde „Geburt der Venus“ ging unter der Schätzung (80 000) in eine deutsche Sammlung: Es erbrachte 68 000 Mark.