Unvermindert groß ist die Nachfrage, nach Ingenieuren. Das ergab eine Untersuchung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt. Die Partner werden allerdings auf beiden Seiten kritischer. Die Bewerber suchen eine krisenfeste Position, die Betriebe überlegen mehr als bisher, ob die einzustellenden Kräfte nicht nur im Augenblick, sondern auch auf längere Sicht – bei geänderter Konjunkturlage – sinnvoll eingesetzt werden können. Hochschulabsolventen sind besonders gefragt. Dem steigenden Bedarf der Wirtschaft an Ingenieuren steht jedoch eine zurückgehende Zahl von Studienanfängern und Diplomanden gegenüber.

Erfahrungsgemäß erreichen etwa 75 Prozent der Studierenden der Ingenieurwissenschaften ihr Studienziel. Die durchschnittliche Studiendauer beträgt fünf Jahre. Der Tiefpunkt wird daher etwa 1972/73 erreicht sein. Es werden dann nur 3400 Diplomanden technischer Fächer die Hochschulen jährlich verlassen. Erst 1974/75 wird sich diese Zahl auf etwa 4600 erhöhen.

Der starke Mangel an Diplomingenieuren aller Fachrichtungen führt dazu, daß zahlreiche Firmen regelrechte Werbeveranstaltungen an den Hochschulen durchführen. Häufig bewirkt der Nachwuchsmangel an Diplomingenieuren eine verstärkte Einstellung von graduierten Ingenieuren für Positionen, die normalerweise mit Diplomingenieuren besetzt worden wären, sowie die Fortbildung geeigneter Techniker und Meister im Betrieb, die dann Ingenieurpositionen einnehmen. Andererseits verleitet die Knappheit von Diplomingenieuren zu überhöhten Gehaltsforderungen und sonstigen hohen Erwartungen. Großbetriebe scheuen sich, diese Forderungen anzuerkennen, da sie gehaltssteigernde Auswirkungen auf das gesamte Vergütungsgefüge des Betriebes befürchten. Klein- und Mittelbetriebe sind eher geneigt, hohe Gehaltsforderungen zu akzeptieren.

Ingenieure des Bergbaus: Die immer stärkere Rationalisierung und Technisierung des Bergbaus läßt erwarten, daß in diesem Fachbereich künftig wieder bessere Aussichten bestehen.

Ingenieure des Hütten- und Gießereiwesens: Quantitativ ist der Arbeitsmarkt ausgeglichen, jedoch stimmen Stellenangebote und Bewerberwünsche häufig nicht überein. Die Bewerber bevorzugen die Abteilungen Forschung und Entwicklung und betriebliche Qualitätskontrolle. Gesucht werden aber vor allem Ingenieure für die Bereiche Arbeitsvorbereitung und Betriebsüberwachung.

Ingenieure des Maschinen- und Fahrzeugbaus: Der Mangel an jungen Bewerbern hält unvermindert an. Für 1972/73 sind nur etwa 1000 Diplomanden zu erwarten. In zunehmendem Maße melden sich jedoch Bewerber, die bereits Führungspositionen innehaben oder anstreben. Dabei handelt es sich nicht etwa vorwiegend um ältere Kräfte – 60 Prozent dieser Bewerber sind unter 40 Jahre. Häufig sind es Hochschulassistenten, die in die Wirtschaft gehen wollen, oder Bewerber, die auf Grund des großen Mangels an Maschinenbauingenieuren in ihren Betrieben rasch aufsteigen, aber kein Weiterkommen mehr sehen und durch einen Stellenwechsel eine selbständigere Tätigkeit zu erhalten wünschen. Trotz der sehr guten Fachkenntnisse und der beruflichen Erfahrungen hat dieser Personenkreis Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Positionen. Großbetriebe gehen immer mehr dazu über, den Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen heranzubilden. Im Zuge der ständigen Ausweitung der Großunternehmen und der Übernahme kleiner und mittlerer Betriebe durch große Konzerne steht den Großbetrieben ein umfangreiches Personalreservoir zur Verfügung, in dem sich genügend befähigte Führungsnachwuchskräfte finden lassen.

Nur wenn ein Bewerber besonders umfassende und für eine bestimmte offene Position sehr wichtige Spezialkenntnisse besitzt, ist die Großindustrie bereit, einen „teuren Herrn“ von draußen in eine Führungsposition zu bringen.