Der Waffenhandel war immer ein bedeutendes Instrument der sowjetischen Außenpolitik, seit das Land nach dem Zweiten Weltkrieg, zur Weltmacht wurde. Sogar in den Anfangsjahren des Regimes, von 1917 bis 1930, benutzte man den Waffenhandel zur Unterstützung solcher Staaten, die sich mit dem „Hauptfeind“ (Großbritannien und Frankreich) anlegten, um auf diese Weise „die Gegensätze innerhalb des kapitalistischen Lagers“ hochzuspielen und – das vor allem – die Weltrevolution zu fördern. Moskau schickte der Türkei Waffen im türkisch-griechischen Krieg von 1921, es half den Deutschen insgeheim, in den zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre aufzurüsten, und versuchte 1928 sogar, im Jemen eine Revolution auszulösen.

Seit 1955 haben die kommunistischen Länder Waffen im Wert von etwa sieben Milliarden Dollar in alle Welt geliefert. Die Sowjetunion und die osteuropäischen Staaten sind daran mit 95 Prozent beteiligt, die Chinesen mit dem Rest. Das Volumen stellt einen jährlichen Durchschnittsabsatz von mehr als 500 Millionen Dollar dar, also ein Viertel dessen, was die Vereinigten Staaten liefern. Während der kommunistische Waffenhandel im Vergleich zu dem der USA also verhältnismäßig gering ist, hat er doch unverhältnismäßig stark auf die politische Entwicklung, eingewirkt.

Als sich die Russen 1955 entschlossen, Ägypten mit Waffen im Wert von 2Ö0 bis 225 Millionen Dollar zu unterstützen, stiegen sie auf eklatante Weise in den Nachkriegswaffenhandel ein. Seitdem lassen sich ihre Bemühungen in zwei Perioden einteilen. Die erste reichte von 1955 bis 1960 und wurde durch zwei Umstände charakterisiert: Der Brennpunkt für die Lieferungen lag im Nahen Osten – Ägypten, Syrien und der Irak – und in Indonesien; und die Waffen, die diese Länder erhielten, waren Überschußrüstungsgüter, die als veraltet galten. Die zweite Periode begann 1960 und wird gekennzeichnet. durch die wachsende Zahl der Empfängerländer und dieLieferung des modernsten Waffenmaterials aus sowjetischen Arsenalen. Eine ganze Reihe günstiger Umstände zu Beginn der fünfziger Jahre ermutigte die Russen, sich auf diesem Gebiet vorzuwagen. Hauptsächlich war es der schwindende westliche Einfluß auf die ehemaligen Kolonialgebiete. Moskau sagte sich mit Recht, daß die entstandenen Lücken in vielen Fällen ausgefüllt werden könnten. Ebenso wie die Vereinigten Staaten erkannte auch Moskau die Kraft des Nationalismus, in den jungen Staaten; sie war stärker als jede Ideologie aus Ost oder West. Die Grundvoraussetzung der sowjetischen Taktik besteht in der Annahme, daß die Ermutigung zum Wettrüsten und „Befreiungskrieg“ – solange beides nicht auf eine „heiße“ Ost-West-Konfrontation hinausläuft – der Sowjetunion nützt, den Westen hemmt. Während also der Westen solche Vörgänge zu verhindern sucht, werden sie weiterhin von Moskau geschürt. Diese Intentionen des Kremls verlangen ein behutsames Vorgehen, und deshalb bedient man sich gern irgendwelcher Zwischenhändler; für diese Rolle eignen sich die osteuropäischen Länder besonders gut: Bulgarien, die DDR, Polen, die Tschechoslowakei. Deshalb wurden die Ägypter 1955 tatsächlich von den Tschechen beliefert, wurde das Geschäft mit Guatemala im Jahre zuvor von den Tschechen ausgehandelt; die DDR half den Rebellen von Sansibar, die Polen unterstützen den Vietcong, die Bulgaren haben den Rebellen im Jemen und in Eritrea geholfen. Sollte es dabei je zu einer Konfrontation mit dem Westen kommen, kann Moskau seine Vermittler verleugnen.

Wo es angezeigt war, haben die Russen auch blockfreie Nationen als Zwischenhändler eingesetzt. Solche Länder sind meistens willige Werkzeuge, die auf Moskaus Geheiß sowjetische Waffen in die verschiedenen Unruhegebiete exportieren oder besser re-exportieren. Als besonders willfährig haben sich hier Ägypten, Algerien, Guinea und Ghana unter Nkrumah erwiesen.

Dennoch heißt das nicht, daß Moskau ausschließlich über Vermittler Waffen liefert – das gilt nur für die Fälle, in denen der Kreml damit rechnet, daß ein direkter Verkauf den Westen herausfordern könnte. Und die Taktik beschränkt sich auch nicht auf die Russen: Die Vereinigten Staaten sind mehrmals ähnlich vorgegangen, zum Beispiel, als sie 1965 die Israelis durch die Bundesrepublik mit Panzern zu versorgen suchten; sie haben dabei keine besondere Feinfühligkeit an den Tag gelegt, und die Sowjets bedienen sich dieser Methode mit ungleich größerer Subtilität.

Die Sowjets haben erkannt, wieviel besser es trotz der Armut in den Empfängerländern ist, ihnen die Rüstungsgüter zu verkaufen als zu schenken. Gewöhnlich verkauft die Sowjetunion die Waffen mit zehn- bis zwölfjährigen Rückzahlungsterminen zu (für westliche Begriffe) niedrigen Zinssätzen von 2 bis 2,5 Prozent. Oft tauschen die Russen die Waffen auch gegen einheimische Erzeugnisse. Mit Ausnahme der Nordvietnamesen, die einen Sonderfall darstellen, gibt es keine Hinweise darauf, daß die Russen jemals etwas von wirklichem Wert verschenkt hätten.

Sie haben für Tausch oder Verkauf zwei wesentliche Argumente: Es schmeichelt dem Kunden und legt durch die Rückzahlung die Exporte des betreffenden Landes fest, so daß sich die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Westen lockern.