Die Ausweitung des Vietnamkrieges zu einem Indochinakrieg, die Kämpfe in Laos und Kambodscha haben die Blicke der Weltöffentlichkeit, die bisher vor allem auf China und Japan konzentriert waren, nun auch auf die anderen Länder in Südostasien gelenkt. Aktuelle Vorgänge in zehn südostasiatischen Ländern werden ausführlich geschildert in

Robert Shaplen: „Time out of Hand – Revolution and Reaction in Southeast Asia“; Verlag Harper & Row, New York 1969; 466 Seiten, 8,95

Shaplen, einem höchst erfahrenen amerikanischen Journalisten, war aufgefallen, wie sehr der Konflikt in Vietnam den Blick dafür verstellt hatte, was es für die anderen südostasiatischen Länder bedeutet, daß dort die „nationale Revolution“ verpaßt wurde. Sein auf persönlichen Erlebnissen fußendes Buch behandelt die Situation in Indonesien, Singapur, Malaysia, den Philippinen, Thailand, Kambodscha, Laos und schließlich Vietnam. Bei jedem Land betrachtet er 1. die Beziehungen zu anderen Ländern innerhalb der Region, 2. die Probleme des Kommunismus, 3. die Beziehungen zu nichtkommunistischen Ländern im übrigen Asien, insbesondere Japan und Indien, und 4. die Beziehungen zu anderen Weltregionen, primär zu Westeuropa und den Vereinigten Staaten.

Der Autor widmet ein Drittel seines Buches Indonesien, ist doch dieses Land seiner Meinung nach „der Schlüssel zur Zukunft der Region“. Indonesien, das asiatische „Dornröschen“, sei in der Lage, „die stabilisierende Hauptkraft in Südostasien“ zu werden (siehe dazu meinen letzten Literaturbericht über Indonesien in der ZEIT Nr. 33/70). Shaplen gibt allerdings kaum erhellende Antworten auf fundamentale politische, soziale und wirtschaftliche Fragen. Die Neutralitätspolitik des Prinzen Sihanuk zum Beispiel stellt er so dar, als resultiere sie aus seinem Zweifel an der Zuverlässigkeit Amerikas. Des Autors Kritik an der amerikanischen Vietnam-Politik ist ziemlich unklar. Er beanstandet die neue Tendenz zum Isolationismus, scheint also unausgesprochen für eine Interventionspolitik zu plädieren. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang sein Aufsatz in Foreign Affairs (April 1970): „Our Involvement in Laos.“

Nicht weniger packend und tiefschürfend sind die Reportagen in

Jürgen Dennert: „Verschwiegenes Zeitgeschehen – Kriege und Kämpfe der Gegenwart, von denen keiner spricht“; Econ Verlag, Düsseldorf 1970; 400 Seiten, 25,– DM.

Dennert, der zu früh verstorbene Universitätsdozent für Politische Wissenschaft, hat in diesem seinem letzten Buch seine Analysen und Reportagen aus Südostasien aus den letzten Jahren erweitert und vertieft. Er stützt sich allerdings auf keine einzige Quelle in asiatischen Sprachen, sondern bezieht sich ausschließlich auf westliche Publikationen. Er schildert Vorgänge und persönliche Erlebnisse in Korea, den Philippinen, Indonesien, Malaysia, Thailand, Laos, Kambodscha, Birma und Indien und versucht darüber hinaus, Ursachen und Hintergründe durch historische Rückblenden zu erhellen. Diese Kombination ist, zum Nutzen des Lesers, glänzend gelungen.