Viele Werbekampagnen werden sportliche Motive haben – Olympia für das Image

Von Horst Vetten

Ein Zeitungsinserat ließ Deutschlands Sportfreunde erstarren: Noch, so besagte der Text, spielten unsere Kinder Martin Lauer und Manfred Germar. Bald aber, und wem gerann dabei nicht das Blut in den Adern, würden sich unsere Kinder andere Vorbilder suchen müssen. Welcher Art diese Vorbilder unter Umständen sein könnten, verheimlichte die Anzeige nicht: ein zähnefletschender, schrägäugiger Asiate traktierte einen Tischtennisball.

Nicht minder schrecklich mag jenes Gespenst auf die Sportnation gewirkt haben, das – sozialistischer Herkunft – ein beträchtliches Maß an Eisen in die Höhe wuchtete. Just diese sozialistische Heimadresse, so kündete der Anzeigentext, ermögliche es dem kräftigen Herrn, seine Muskeln weitaus eindrucksvoller spielen zu lassen, als das hierzulande einem Gewichtheber möglich wäre.

Adressat dieser Kampagne: der deutschfühlende Sportfreund. Absender: die „Deutsche Sporthilfe“. Absicht, frei nach Tetzel: Sobald das Geld im Kasten klingt, der Sportler seine Rekorde springt.

Damit ist schwarz auf weiß belegt, daß nur noch Bürgerhilfe verhindern kann, was an Entsetzlichem bevorsteht. Der Sport als Lieferant von Leitbildern droht seine Produktion einzustellen, unsere Recken laufen nur noch hinter den anderen her, statt voran, und leicht möchte es sein, daß Neger, Asiaten und Kommunisten, asiatische Kommunisten gar, die Spiele von München gewinnen, ganz zu schweigen von den Brüdern und Schwestern aus der DDR, die schon seit Jahren auf allen Pisten die Nase vorn haben.

Jedermann wird begreifen, daß in dieser Stunde der Gefahr die Nation aufgerüttelt werden muß. Wie rüttelt man die Nation auf? Man packt sie am Spieltrieb („Glücksspirale“), am Ehrgeiz („Jugend trainiert“), an der Kommunistenfurcht („Sollen die Genossen gewinnen?“), am Rassendünkel („Soll das Vorbild Ihres Sohnes Schlitzaugen haben?“), und siehe: die Nation spendet.