ZDF, Dienstag, 8. September: „Mit Schirm, Charme und Melone“

Wenn man von einer Dame zur anderen wechselt, kann es Übergangsschwierigkeiten geben. Auch wenn die erste Dame Emma heißt und die zweite Tara. Zwei Sendungen lang demonstrierte „Schirm, Charme und Melone“, daß bei einem Wechsel der Partnerin der Charme oft auf der Strecke bleibt. Wie einen Schirm in die Ecke stellen wollte man Diana Rigg als Emma nicht. Also gab man ihr eine Überleitungssendung, bei der alle an Gedächtnisschwund litten, nur nicht der Zuschauer. Die neue Emma, die Tara heißt, wurde mühselig eingefädelt. Sie war ein unbedarftes, aber gutwilliges Agenten-Kind und lernte ihre erste Lektion mit augenklimperndem Friseusen-Charme.

Wie sie es in einem Interview über das Selbstverständnis ihrer Tara definiert hatte: „Sie (Tara) gewinnt Kämpfe mit ihrem femininen Wesen... Ihre Kleider sind femiminin und lassen tief blicken.“

So trägt sie bald Stiefel, bald Miniröcke, läßt tief blicken und blickt selbst tief, eine etwas affige Reklame für Wimperntusche.

In der zweiten Serie gab ihr die Regie eine Chance, wie es so schön heißt. Immer noch in Übergangsschwierigkeiten von einer zur anderen, wurde John Steed paschahaft mit Bienen am Schwimmbassin beurlaubt. Tara schlug Männer in Heurechen hinein und bestieg einen Leuchtturm. Die Serie schien ihre Komik allein daraus zu beziehen, daß sie dauernd das augenzwinkernde Wissen über ihre frühere Komik verstrahlte.

Jetzt, in der dritten Folge, schien sie sich endlich zu fangen. Sie „zitierte“ beim Fotobetrachten „Blow up“ und begann wieder mit den Waffen zu kämpfen, mit denen sie die versnobte Parodie sich über die üblichen Prügelspiele und üblichen Rasierwasserhärten üblicher Geheimdienststreifen lustig machen läßt. Hier wurde John Steed von einer Fensterputzerleiter im fahrenden Auto fast gefangen, und durch die Klima-Anlage strömte Drogenvergessen vom friedlichen Büroalltag in die Chiffrier-Zentrale – ein persifliertes Brave-New-World- Büro, in dem alle brav vom „ganz normalen“ Büroalltag plappern – obwohl die Fensterputzer-Hölle los ist.

Daß Tara hier zur bloßen Kleiderpuppe unter Kleiderpuppen erstarren mußte, war der erste Anflug von Selbstironie, der ihr gestattet wurde. Beim Hechtsprung aus dem Fenster konnte sie die Augen nicht mehr zum nervenaufreibenden Zweikampf gegen den Zuschauer einsetzen. Dafür fing sie in einem ausgleichenden Akt „Wie du mir, so ich dir“ den Hauptgangster ihrerseits mit der Fensterputzerleiter ein.

Und eine Dame, die im Büro beim Kaffeetrinken eingenickt war in das Dornröschenland der Drogenträume, erwachte, wie es das Personal von Dornröschen zu tun hat: sie fiel nicht über ihre Arbeit her, sondern nur über ihren (inzwischen sicher kalten) Kaffee. Dieser Endkampf des Versnobten mit dem Bösen läßt für die weiteren Folgen hoffen. Auch wenn Tara nicht Emma ist... Hellmuth Karasek