Von Cornelia Jacobsen

Es riecht nach Turnhalle. Die sechzig Leute – so viele mögen es sein – haben gerötete Gesichter und sehen etwas angestrengt aus; nur ein zierliches Persönchen von vielleicht sechs Jahren hüpft umher, als sei dies alles gar nichts. Der Medizinball freilich ist ihm zu schwer, und es legt ihn wieder auf den Boden, noch bevor der Sportlehrer diese Übung abpfeift.

Alle, die hier turnen, Menschen zwischen sechs und sechzig, wie der Sportlehrer sagt (mir scheint, die meisten sind zwischen vierzig und sechzig), beteiligen sich an einer sportlich-spielerischen Urlaubsaktivität, dem Programm „Fit durch Ferien“, das der Luftkurort Inzell an der deutschen Alpenstraße seit dem Sommer 1968 durchführt.

In der Turnhalle wird das „Circuit-Training“ absolviert, ein Allround-Training mit vierzehn verschiedenen „Stationen“ – kein bodybuilding etwa, sondern eine Tätigkeit, die lahme Muskeln munter und beweglich machen soll und den Kreislauf in Schwung bringt. Eineinhalb Stunden dauert das etwa.

Es heißt, Großvaters Urlaub sei tot, die Zahl derjenigen, die ihre Ferien faul im Liegestuhl verbringen, nähme beständig ab. Immer mehr Leute, hört man, wünschen einen Erlebnisurlaub, einen Urlaub, in dem sie sich entrosten können. Die wenigsten müssen sich heutzutage schließlich noch von schwerer körperlicher Arbeit erholen, der „moderne“ Urlauber muß seine eintönige, bewegungsarme Tätigkeit kompensieren.

Da nun aber nicht jeder eine bestimmte Sportart betreibt, war man in Inzell bestrebt, so etwas wie ein gemischtes Sportprogramm für alle Ansprüche anzubieten.

„Fit durch Ferien“ kam durch eine Anregung des Deutschen Sportbundes zustande, und der Bayerische Landessportverband ist Schirmherr des Inzeller Programms. Jeder Gast, ganz gleich welchen Alters, kann mitmachen, und zwei bis drei Stunden täglich sollen genügen, um das Ferien-Fitness-Ziel zu erreichen. Das ganze Sportprogramm ist übrigens kostenlos – nur die Kurtaxe ist zu bezahlen.