Der Nahost-Konflikt wird nun schon, teils militärisch, teils diplomatisch, an sechs Fronten ausgetragen: am UN-Verhandlungstisch, zwischen den Großmächten, unter diesen und ihren Schützlingen, zwischen Israel und den arabischen Staaten, unter den arabischen Regierungen, zwischen diesen und den Palästina-Partisanen und sogar unter den Freischärlern selber. Kommt es tatsächlich einmal an einer dieser ineinanderlaufenden, sich überkreuzenden Frontlinien zur Ruhe, dann bricht mit Sicherheit an einer anderen Streit aus, wenn nicht gar Kampf.

Das ist der nahöstliche Teufelskreis. Im Handumdrehen kann eine Krise über einen Konflikt in einen Krieg umschlagen. Und keiner der Betroffenen, ob nun die Großmächte oder die Nahost-Staaten, bringt die Kraft auf, diesen Bannkreis zu durchbrechen. Sie alle sind in ihm gefangen.

Wenn in dieser Situation Israels Verteidigungsminister Dayan in einem Atemzug droht, die vorgeschobenen sowjetisch-ägyptischen Raketenbasen zu zerstören, und verkündet, der Frieden sei in Sichtweite, so klingt das wie Hohn. Und wenn der sowjetische Parteichef Breschnew in Alma Ata feierlich verspricht, die Feuerpause werde eingehalten, zur gleichen Stunde aber Nasser dazu verhilft, sie zu durchbrechen, so ist er einfach unglaubwürdig.

Wer kann da noch auf ein Tauwetter hoffen? Eher ist zu befürchten, daß über den Nahen Osten neuer Frost fällt. Breschnews Raketen undDayans Drohung sind seine Vorboten. D. St.