In Murnau wurden die Kurswagen nach Oberammergau vom Seefeld-Expreß abgekoppelt. Zehn Minuten später ging es langsam bergauf. Ein Herr aus Koblenz fragte: „Kennen Sie Bad Kohlgrub? Der Name sagt mir nichts.“

Der Kurdirektor ist auch der Ansicht, daß „Kohlgrub“ nicht viel sagt, aber auf den Namen käme es schließlich nicht an; hier seien früher Köhler gewesen, und wo Köhler waren, hatte man Gruben.

Der Chef des Kurhotels „Schillingshof“, er läßt beim teuersten Schneider Münchens arbeiten und kennt Industriekreise, bedauerte: „Den Namen müßte man ändern können, es soll Leute geben, die zuerst an ‚Kohl‘ und dann an ein ‚Grab‘ denken ... Und wer kennt in München Kohlgrub?“

Ich ergänzte: „Vier Leute, die es eigentlich kennen müßten, kannten es nicht.“

„Sehen Sie“, sagte der Chef des Kurhotels zum Kurdirektor, „ich bat den Verkäufer eines renommierten Münchner Herrenoberbekleidungsgeschäftes letzte Woche: ‚Schicken Sie mir die Rechnung nach Bad Kohlgrub.‘ ,Wohin?‘ fragte der...“

Es gibt den unteren Kurbetrieb in Kohlgrub und den oberen. Ich blieb erst einmal unten und aß Hirn mit Ei. Das Haus gegenüber gehört dem Fuchsbauer, er hat einen ganz alten Holzbrunnen vor der Tür. Unter der dreihundert Jahre alten Dorflinde saß niemand. Die Rathaustür war geschlossen. In Bad Kohlgrub ist. kein Polizeiposten mehr. Wenn Polizei gebraucht wird, ruft man in Oberammergau an. Der Bürgermeister kam als Hauptmann aus dem letzten. Krieg zurück und heiratete die Tochter des Apothekers. „Was er für uns tun kann, das macht, er“, hörte ich, „er geht fleißig mit der Zeit.“ Die Apotheke ist schon alt.

Um den Kirchhof herum ist es eng. Mein Bier trank ich in der „Post“. Auf den Gräbern waren die gleichen Blumen, wie überall vor den Fenstern. Ich sagte „Prost“ zu einer Dame an meinem Tisch. Sie trug ein Dirndl. Sie zahlt täglich zehn Mark für ein Zimmer mit Frühstück und bleibt drei Wochen. Dreihundert Mark kosten die Kurmittel. Seit acht Tagen ist die Dame in Bad Kohlgrub. Sie wohnt unten.