DIE ZEIT

Die Last der Giganten

Großmacht zu sein, scheint mehr Sorgen als Vergnügen zu bereiten. Unsereiner denkt manchmal, wie gigantisch die Möglichkeiten der beiden Supermächte doch sind, wie stark sie sich fühlen müssen mit allen ihren Ressourcen im Schutz des atomaren Patts.

Neuer Buhmann

Marschall Tito blies zum Sammeln. Und wie schon 1961 in Belgrad und drei Jahre später in Kairo, erschienen sie wieder in großer Zahl und großer Besetzung: Die blockfreien Länder, vierundsechzig an der Zahl, trafen sich diesmal in Lusaka, der Hauptstadt Sambias.

Kein Bruderkuß

Mit gerunzelter Stirn haben einige Oppositionsmitglieder den Besuch Wehners bei Tito als "Brückenschlag zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten" kritisiert.

Frost über Nahost

Der Nahost-Konflikt wird nun schon, teils militärisch, teils diplomatisch, an sechs Fronten ausgetragen: am UN-Verhandlungstisch, zwischen den Großmächten, unter diesen und ihren Schützlingen, zwischen Israel und den arabischen Staaten, unter den arabischen Regierungen, zwischen diesen und den Palästina-Partisanen und sogar unter den Freischärlern selber.

Neues Kuba in Chile?

Ergebnis und Folgen der chilenischen Präsidentschaftswahl können schwerlich überschätzt werden: Chile, die letzte Bastion der Demokratie in Südamerika, gilt seit langem als Testfall für die "Revolution auf friedlichem Wege".

Das Fähnlein der Enttäuschten

Walter Scheel sei "arm dran und einer der unglücklichsten Menschen der Welt", wenn es dem Außenminister nicht gelinge, aus Moskau ein befriedigendes Verhandlungsergebnis zurückzubringen.

Arabisches Roulett am Himmel

Es gab keinen Absturz, keine Katastrophe; und doch war der vergangene Sonntag ein schwarzer Tag für die Weltluftfahrt: Die Entführung von drei Transatlantikmaschinen, zwei amerikanischen und einer schweizerischen, nach Kairo und auf einen Feldflugplatz bei Amman; der Kampf an der Cockpittür des israelischen Flugzeugs, das dann in London landen konnte; die fanalhafte Sprengung des Jumbo-Jets in Kairo; und schließlich sechshundert Menschen in Händen der Entführer – das alles hat mit der Luftpiraterie "à la Cuba", die in die Witzblätter einging, oder mit jener Flugzeugentführung "auf italienisch", mit der ein neurotischer Heimwehkranker im vergangenen Jahr Schlagzeilen machte, nichts mehr gemein.

ZEITSPIEGEL

Die Arbeitslosenziffer der Afro-Amerikaner stieg im vergangenen Jahr um fünfzehn Prozent. In den USA waren im gleichen Zeitraum 31 Prozent, in Detroit 40 Prozent und in Los Angeles 46 Prozent aller jugendlichen Neger ohne Beschäftigung.

Ein Ostberliner berichtet:: Hoffen auf Willy Brandt

Sebastian Haffner hat mich sehr enttäuscht. Von Guttenberg und jedem Springer-Journalisten kann man den notorischen Rückwärtsgang erwarten, doch wenn Haffner bei der richtigen Verteidigung des Moskauer Vertrages sich zur moralischen Anerkennung der fortschrittlichen DDR hinreißen läßt, dann wird man selbst hier, in der Provinz, hellhörig!" Marga S.

Ein Westberliner berichtet:: Vitamine auf den Tisch

Da ist der pessimistische Rentner, der meint, es werde alles immer schlechter. Er will seine Laube ausbessern und bekommt dafür weder die hundert Ziegelsteine noch den Sack Zement, noch die fünfzölligen Nägel.

Christen machen ernst

Der Weltkirchenrat unterstützt den Widerstand gegen Südafrikas Rassenpolitik

Die Kleinen haben es schwer

Die Tschechoslowakei teilt mit Polen einige geschichtliche Erfahrungen. Sie wurde 1939 Opfer der Deutschen, und ihr Bündnis mit den Westmächten half ihr gar nichts.

Wirrwarr in der CDU

Zu Beginn des zweiten Regierungsjahrs der sozial-liberalen Koalition präsentiert sich die Opposition in schlechter Verfassung.

"Ich bin kein Staatsschauspieler"

Was hat ein Staatsoberhaupt zu erledigen, was zu ertragen? Mancherlei – etwa Hände schütteln und den Kopf hinhalten. Das eine ist beschwerlich, das andere ärgerlich, Bundespräsident Heinemann kann es aus erlittener Erfahrung bezeugen.

Bismarcks Schritt vom Wege

Sedan – Sieg ohne Segen (II): Die Annexion Elsaß-Lothringens – Verbrechen oder Notwendigkeit?

Kraftakt im Gerichtssaal: "Bin ich Krankenpfleger?"

In Bad Homburg wacht gemeinsam mit einigen Kollegen Amtsrichter Arnold Effinowicz über Recht und Gesetz. Richter Effinowicz gilt als recht: eigenwilliger Kauz, der gelegentlich, wie so manche Dienstaufsichtsbeschwerde andeutet, seine Entscheidungen nach alter Gutsherrenart zu finden pflegt, doch kursierten die derben Anekdoten über seine individuelle Amtsausübung bislang nur unter Eingeweihten und Kollegen.

Fall Zimmermann, 2. Teil: Keiner will ihn halten

Der Parteifunktionär telefonierte zweimal. Befragt, was er als CSU-Prominenter von den neuen Angriffen gegen seinen Parteifreund Friedrich Zimmermann halte, hielt er sich beim ersten Mal an die Parteilinie und an die Gebote des bevorstehenden Wahlkampfes: der Vorwurf des Stern, Zimmermann habe sich zugunsten der CSU krimineller Praktiken bedient, werde von der Partei energisch zurückgewiesen.

Klecksen in Kampen

Ganz nackig? fragte die sechsjährige Nanne und fuchtelte mit einem Borstenpinsel in der Bauchnabelgegend der Paradiestochter herum.

Der Narr von der Leine

Der Pförtner nahm nervös Haltung an. Dietrich Kittner, laut Hannoverscher Presse "zur Zeit Deutschlands bestes Ein-Mann-Kabarett", betrat das Rathaus seiner Image losen Vaterstadt, stimmte seine Harfe und bat die Ratsherren in demutsvollem Rezitativ um Absolution: ".

Olympia-Entscheidungen

Ohne Maßband, ohne Bikini-Show und ohne "Schiebung"-Zwischenrufe fand eine notable Jury die "schöne Münchnerin". Sie ist blond und blauäugig und machte das Rennen vor allem wegen ihrer Natürlichkeit und ihrer körperlichen wie auch geistigen Frische.

Alltag in der DDR (I):: Die Blumeiers vom Block 602

Halle-Neustadt, eine der aus dem Boden gestampften ostdeutschen Satellitenstädte. 1964 wurde der Grundstein gelegt. Heute wohnen hier schon 35 000 "neue" Menschen (Durchschnittsalter 24 Jahre).

Nasser fehlt in Lusaka

Am Dienstag trat in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, die dritte Konferenz der blockfreien Staaten zusammen. Etwa sechzig Länder haben, hauptsächlich dank unermüdlicher Vorarbeiten des jugoslawischen Staatschefs Tito, ihre Teilnahme zugesagt.

Streit um Raketenbasen

Die Nahostfriedensgespräche sind in eine Sackgasse geraten. Nach intensiven Beratungen hat die israelische Regierung beschlossen, sich so lange nicht mehr an den Gesprächen unter Leitung des UN-Sonderbeauftragten Jarring zu beteiligen, bis Ägypten seine während des Waffenstillstands vorgeschobenen Raketenbasen aus der Kanalzone zurückgenommen hat.

Chile: Sozialisten-Sieg

Chile sieht unruhigen Wochen entgegen. Nachdem die Präsidentenwahlen vom vergangenen Freitag keinem der drei Bewerber die absolute Mehrheit brachten, muß nun der Kongreß am 24.

Vietnam: Vietcong im Angriff

Eine politische Lösung des Indochinakonflikts ist noch nicht in Sicht. Das 82. Vietnamgespräch in Paris, bei dem der zurückgekehrte nordvietnamesische Delegationschef Xuan Thuy vorige Woche zum erstenmal dem neuen amerikanischen Unterhändler David Bruce begegnete, endete ergebnislos.

Ostpolitik bleibt Thema Nummer 1

In der CDU hielt die Diskussion um den deutsch-sowjetischen Vertrag unvermindert an. Während der ehemalige Außenminister Schröder seiner Partei empfahl, strittige Passagen positiv zu interpretieren, kritisierte der "Bayernkurier" in ungewöhnlich scharfer Form die "fruchtlose Debattierkunst" der Union, die darüber das Hauptziel, den baldigen Sturz der Regierung, aus den Augen verliere.

Abrüstung: Meer ohne Waffen

Die diesjährige Sitzungsperiode der bereits achteinhalb Jahre dauernden Genfer Abrüstungskonferenz endete letzte Woche mit einem Teilerfolg.

Dokumente der ZEIT

"Ich meine, daß die CDU/CSU an der Tatsache der Unterzeichnung des Vertrages und an dem derzeitigen Inhalt des Vertrages nichts zu ändern vermag.

Suharto: Kurzer Besuch

Ohne Zwischenfälle ging am Wochenende der dreitägige Staatsbesuch des indonesischen Präsidenten Suharto in der Bundesrepublik zu Ende.

Schlag auf Schlag ins Wasser

Jochen – er selber hat sich umbenannt in "Timmy", aber seine Freunde rufen ihn "Nase": seit Juni ist er "auf Reise". Mit Schlafsack, Zahnbürste, Seife, Shampoo, zwei Badehosen zum Wechseln und einer Gitarre war er zuerst in Neapel und Rom, wo er von der Botschaft eine Fahrkarte bis zur Grenze erhielt.

Pop-Festivals sind paradox

Es wäre zu schön gewesen, wenn es mit dem Beweis geklappt hätte: Hunderte, Tausende, Hunderttausende können zusammenkommen und den Frieden, die Liebe, die Droge und die Musik feiern – und solange sie nur unverdorben-bedürfnislos genug sind, um auf den dekadenten Komfort der Zivilisationskrüppel verzichten zu können, werde sich alles übrige von selber finden und ordnen, ohne die umständlichen und einengenden Vorkehrungen und Reglements, die die kranke übrige Gesellschaft aufbieten muß, damit sie nicht im völligen Chaos versinkt.

Hort der Unfreiheit?

Jubiläen ähneln zuweilen Leichenfeiern, bei denen einiges an Vergangenem gern in rosiges Licht getaucht, anderes dagegen, vor allem das Unbequeme, aus taktischen, persönlichen oder einfachen Pietätsgründen kaschiert, zur Ehrenrettung des Verblichenen häufig auch ganz verschwiegen wird.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Das fünfzehnte "offizielle" Stones-Album, "Get Yer Ya-Ya’s Out", ist ein Live-Mitschnitt zweier Konzerte im Madison Square Garden, bei denen die Rolling Stones als das vorgestellt wurden, was sie immer schon waren: "The greatest rock and roll band in the world".

Der Mythos von Woodstock

Vom 15. bis 17. August 1969 fanden sich in White Lake, 96 Kilometer südlich von Woodstock im Staat New York, 400 000 Jugendliche zu dem größten und wohl einzig wirklich gelungenen Pop-Festival der Geschichte zusammen.

FILMTIPS

"Rote Sonne", von Rudolf Thome. Zuerst haben die vier Mädchen spontan reagiert auf männliche Überheblichkeit. Ihr erster Toter ergab sich, als Sylvie ihren treulosen Verlobten vom Balkon stieß.

Visionen vom schlimmen Amerika

Er ist achtundfünfzig Jahre alt und gilt als einer der größten und wichtigsten Regisseure der Gegenwart. Jeder seiner Filme ist als ein Schlüsselwerk unserer Zeit in der ganzen Welt gezeigt worden: "Der Schrei" (1957), "Die mit der Liebe spielen" (1959), "Die Nacht" (1960), "Liebe 61" (1961), "Die rote Wüste" (1964), "Blow up" (1967); frühere Filme wie "Kinder unserer Zeit" (1952) oder "Die Freundinnen" (1955) warten noch auf ihre Wiederentdeckung durch Publikum und Kritik.

289 – Stadt für Sie

Blond, ernst und mit erwartungsvollen Augen saßen der Oberprimaner Holger Brandes und der Unterprimaner Harald Wedemeyer aus Nordenham in Friesland bei uns auf der Redaktion in Hamburg.

Kunstkalender

Die Rauschenberg-Show hat der Kunstverein gleichzeitig mit der Straßenkunst und dem Altstadtfest gestartet, eine museale Absicherung der spektakulären Unternehmen: Wir machen nicht bloß Klamauk, wir zeigen auch weiterhin seriöse Kunst.

Nett zu sich selber

Aus mehr als dreißig Ländern waren mehr als dreihundert Germanisten, ihrerseits mehr als zehn Fächer vertretend, zum idyllischen Campus der altenglisch furnierten elitären Princeton University gereist, wo der Präsident der "Internationalen Vereinigung für Germanische Sprach- und Literaturwissenschaft" Victor Lange ihnen einen perfekten Rahmen und eine bestechende Szenerie gerichtet hatte.

Engagiertes Erbe

In einem Brief an eine Freundin schrieb Carl Einstein 1923: "Eigentlich Leben für Biographien; werden aber keine haben dank Wilhelm und Stinnes.

KRITIK IN KÜRZE

"Die Bildnisse Richard Wagners", herausgegeben von Martin Geck. Die Stars waren auch schon vor hundert Jahren außerordentlich empfindlich.

Die ehrbaren Kaufleute von Moskau

Heinz Hufnagel, mit langen Osthandelserfahrungen ausgestatteter Verkaufschef von Deutschlands zweitgrößtem eisen- und stahlverarbeitenden Unternehmen, der Düsseldorfer Mannesmann AG, dämpft die allzu optimistischen Osthandelserwartungen nach dem Abschluß des deutsch-sowjetischen Vertrages: "Für eine Euphorie besteht kein Anlaß.

Zur Freude der Opposition

Der Tagespresse war zu entnehmen, daß die FDP, deren Bundeshauptausschuß in Frankfurt tagte, sich nun einer strikten Stabilitätspolitik verschworen habe, die zwangsläufig auf einen Bruch mit der "offiziellen" Wirtschaftspolitik der sozial-liberalen Koalition hinsteuere.

Teure Sehnsucht nach Sonne

Seit Mitte der fünfziger Jahre gehört die "Urlaubsindustrie" zu den Wirtschaftszweigen mit besonders hohen Wachstumsraten. Rund zehn Milliarden Mark werden bis Ende des Jahres über die Grenze geflossen sein.

Lufthansa: Wenn die Kabine streikt

Gerhard Frühe, seit kurzem Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa für den Bereich Personal, spottete über sich selbst: "Es hat nur der Bestellung eines Vorstandsmitgliedes für Personalfragen bedurft, um einen internationalen Ausnahmezustand zu beenden.

ZEITRAFFER

Viktor Emanuel Preusker, Präsident des Zentralverbandes der Haus- und Grundbesitzer, hat Forderungen nach einem Mietpreisstopp zurückgewiesen.

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