Mit gerunzelter Stirn haben einige Oppositionsmitglieder den Besuch Wehners bei Tito als „Brückenschlag zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten“ kritisiert. Andere beschworen die Vokabel „Volksfront“.

Dabei hatte fast am gleichen Tage die Schiedskommission beim SPD-Parteivorstand in einem Ausschlußverfahren festgestellt: „Grundsätze und Ziele von SPD und SED gehören zwei verschiedenen Welten an.“ Der SPD-Vorstand hat gerade in den letzten Wochen immer wieder deutlich herausgestellt, daß es keine ideologische Verbrüderung mit den Kommunisten gibt.

Jugoslawien war der erste kommunistische Staat, der sich erfolgreich gegen den Stalinismus aufgelehnt hat, und Tito der wohl ärgerlichste „Ketzer“, der je von Moskau abgefallen ist. Ein Besuch bei ihm sollte wirklich niemanden erschrecken.

Eine sinnvolle Ostpolitik darf schließlich nicht nur mit Moskau neue Beziehungen knüpfen, sondern sollte die ganze Vielfalt verschiedener Nuancen Osteuropas mit einbeziehen und ganz gewiß nicht die vergessen, die dem Kreml lästig sind, weil sie sich unabhängig gemacht haben und viel liberaler sind, als das kommunistische System es normalerweise zuläßt. Dff.