München

Der Parteifunktionär telefonierte zweimal. Befragt, was er als CSU-Prominenter von den neuen Angriffen gegen seinen Parteifreund Friedrich Zimmermann halte, hielt er sich beim ersten Mal an die Parteilinie und an die Gebote des bevorstehenden Wahlkampfes: der Vorwurf des Stern, Zimmermann habe sich zugunsten der CSU krimineller Praktiken bedient, werde von der Partei energisch zurückgewiesen. Reiner Wahlkampf, Auftragsarbeit für die bedrängte SPD, eine aufgewärmte Affäre, so hieß es. Bei diesem Telephonat rief der Funktionär von einem Apparat der CSU-Landesleitung aus an.

Der zweite Anruf kam aus einer Telephonzelle: „Sie müssen verstehen, es gibt hier bei uns kaum jemand, der Zimmermann halten möchte. Aber es wird schwer sein, ihn jetzt fallenzulassen. Nahezu unmöglich. Wenn wenigstens Staatsanwaltschaft und Gerichte die Sache energisch anpacken würden. Außerdem ist die Schützenhilfe vom Stern für uns bestimmt nicht die ideale Lösung.“

Dr. Friedrich Zimmermann, seit zehn Jahren auch in der eigenen Partei höchst umstritten, tritt vor dem Landgericht München I als Zeuge auf, nicht als Kläger. Das besorgt für ihn, der wegen Falscheids wieder einmal öffentlich angegriffen wurde, die CSU-Landesleitung. Nachdem eine „eidesstattliche Versicherung“ Zimmermanns dem Gericht nicht ausreichte, die Verfügung ohne mündliche Verhandlung zu erlassen, telephonierte CSU-Generalsekretär Max Streibl mit seinem Parteivorsitzenden Strauß in dessen Urlaubsort. Die Sache Zimmermanns wurde so zur Parteiaktion.

Zum Wochenbeginn glichen die Hauptquartiere der streitenden Parteien Bienenkörben: Der vorzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrte Strauß konferierte mit dem CSU-Anwalt Dr. Ossmann, während Stern-Anwälte und -Rechercheure im „Grand Hotel Continental“ ihre Marschroute für den kommenden Verhandlungstag abstimmten. Die CSU versucht, das „abgefeimte politische Spiel“ der „SPD-Stern“-Gnuppe zu entlarven. Die Gegenseite wartet auf ein Hauptsacheverfahren, in dem sie all die Zeugen auftreten lassen kann, die nur auf ausdrückliche Ladung des Gerichts auszusagen bereit sind. Th. v. U.