Experten schätzen, daß innerhalb der EWG in den nächsten zehn Jahren mindestens jeder zehnte Berufstätige seine gegenwärtig ausgeübte Tätigkeit aufgeben muß. In den kommenden Jahren werden vor allem aus Handwerksberufen, aus der Textil- und Lederindustrie, aus dem Eisen- und Stahlbereich und dem Bergbau noch viele hunderttausend Menschen abwandern müssen. Stark expansiv sind dagegen die Organisations- und Verwaltungsberufe sowie der öffentliche Dienst.

Das bayerische Arbeitsministerium hat in einer Studie, an der sechs wissenschaftliche Institute beteiligt waren, die Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Berufstätigkeit in diesem Bundesland bis 1980 untersuchen lassen. Da Bayern gegenüber anderen Bundesländern einen industriellen Nachholbedarf hat, lassen, sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres verallgemeinern. Die Prognose der Entwicklung am Arbeitsmarkt macht aber dennoch deutlich, welche Tendenzen heute im Berufsleben bestehen.

Die Dokumentation der sechs Institute läßt die gewaltigen Umschichtungen erkennen, die allein bis 1980 bevorstehen. Bis zu Ende des Jahrzehnts werden in Bayern über die Hälfte aller Beschäftigten ihren angestammten Arbeitsplatz (wenn auch nicht immer den Beruf) wechseln müssen. Im gesamten Bundesgebiet werden über elf Millionen Erwerbstätige (das sind rund 44 Prozent) von dieser Entwicklung betroffen sein.

Das Zeitalter der Automaten und Computer fordert in der Zukunft also ebenso seinen Tribut wie in den vergangenen zehn Jahren. Schon von 1960 bis 1967 wurden in der bayerischen Wirtschaft 1,5 Millionen Menschen (fast 32 Prozent aller Beschäftigten) durch den wirtschaftlichen Strukturwandel gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Sie fanden wegen des raschen wirtschaftlichen Wachstums ebenso wie die 7,4 Millionen Erwerbstätigen, die sich in der Bundesrepublik insgesamt in dieser Zeit nach einer neuen Erwerbsquelle umsehen mußten, rasch wieder eine Beschäftigungsmöglichkeit.