Das Amtsgericht Hannover hat kürzlich ein für die Haftung der Reiseveranstalter bedeutsames Urteil gefällt. Der Kläger hatte mit seiner Frau eine vierzehntägige Reise nach Gran Canaria gebucht. Reisepreis pro Person 864 Mark. Er verlangte von der Beklagten – einem Reiseunternehmer – die Rückzahlung des Flugpreises und der Aufenthaltskosten, abzüglich ersparter Eigenaufwendungen für den täglichen Lebensbedarf von 112 Mark pro Person.

Der Urlaubserfolg, so machte der Kläger geltend, sei nicht eingetreten, da sich vor seinem Bungalow eine Baustelle befunden habe. Von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends sei dort, teilweise mit Preßluftbohrern, gearbeitet worden. Einmal sei sogar eine unangekündigte Sprengung ausgeführt worden, an anderen Tagen habe eine Planierraupe in das Geräuschkonzert eingestimmt. Auf dem Urlaubsprospekt sei dagegen die Bungalowanlage „Las Flores“ ausgerechnet wegen ihrer ruhigen Lage angepriesen worden.

Der Reiseunternehmer sei zum Schadenersatz verpflichtet, argumentierte der Kläger, weil er schon vor Reiseantritt erkennen konnte, daß in der fraglichen Zeit vor der Bungalowanlage gebaut werden würde. Der örtliche Reiseleiter hätte diese Tatsache melden müssen. Es sei also genügend Zeit gewesen, das Reiseangebot zu streichen, beziehungsweise die Reiseteilnehmer zu warnen.

Der Reiseunternehmer berief sich auf seine Vermittlerrolle. Er sei nur buchendes, nicht veranstaltendes Unternehmen. Deshalb müsse die Bungalowgesellschaft haften. Im übrigen könne der Kläger nicht den ganzen Preis zurückverlangen, denn er habe sich-nicht den ganzen Tag im Bungalow aufgehalten und nachts ruhig schlafen können.

Das Amtsgericht gab dem Kläger Recht. Zwischen dem Kläger und dem Reiseunternehmen sei ein echter Werkvertrag zustande gekommen, was schon dadurch unterstrichen würde, daß das Reiseunternehmen den Gesamtpreis verlangt habe und nicht nur eine Maklergebühr. „Soweit die Beklagte der Meinung ist, der Kläger müsse sich an die Las-Flores-Gesellschaft halten, ist ihr entgegenzuhalten, daß sie sich zur Erfüllung ihrer eigenen vertraglichen Leistung, die sie im Prospekt anbietet, der Las-Flores-Gesellschaft bedient hat, für die sie nach § 278 BGB einzustehen hat.“

Die Lärmbelästigung sei in der Tat so erheblich gewesen, daß der mit der Reise verfolgte Zweck, Ruhe, Entspannung und Erholung zu finden, nicht eintreten konnte. Auch könne der Kläger von der Beklagten nicht darauf verwiesen werden, er habe Ausflüge machen oder sich am Strand aufhalten können. Auch der Einwand, der Kläger habe ja nachts ruhig schlafen können, gehe fehl. Einerseits müsse dem Reisenden überlassen bleiben, wie und in welcher Form er Ruhe und Entspannung suche, zum anderen habe der Kläger die Reise ja nicht gemacht, um nachts seine Ruhe zu haben. Der berücksichtigte Eigenanteil sei angemessen. Der Reiseveranstalter muß den Rest bezahlen (Amtsgericht Hannover 6 C 683/69). F. R.