Am Dienstag trat in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, die dritte Konferenz der blockfreien Staaten zusammen. Etwa sechzig Länder haben, hauptsächlich dank unermüdlicher Vorarbeiten des jugoslawischen Staatschefs Tito, ihre Teilnahme zugesagt. Prominentester Teilnehmer neben Tito ist die indische Ministerpräsidentin Gandhi.

Die Außenminister der Blockfreien hatten zuvor unter Vorsitz des sambischen Ministers Kamanga eine Tagesordnung erarbeitet: Lage in Südostasien, Nahostkonflikt, Südafrika um Neuorganisation der Vereinten Nationen, denen vorgeworfen wird, zum Krieg in Vietnam zu schweigen und ihre Hilflosigkeit bei der Besetzung der Tschechoslowakei bewiesen zu haben. Die vom Gastland Sambia gewünschte Diskussion wirtschaftlichen Fragen wurde nicht in den Vordergrund gerückt.

Mit konkreten Beschlüssen und einer wesentlichen Stärkung des Gewichts der Blockfreien sowie der Profilierung einer gemeinsamen Basis wird nicht gerechnet. Dafür spricht auch die Tatsache, daß Präsident Nasser und der algerische Präsident Boumedienne, bislang wichtige Repräsentanten der Blockfreiheitspolitik, nicht an der Konferenz teilnehmen.

Relativ geschlossen ist die Haltung der afrikanischen Staaten, die in der Vorwoche in Addis Abeba die Gipfelkonferenz der Organisation für afrikanische Einheit (OAU) abhielten. Das Treffen endete mit einer Verurteilung westlicher Länder, darunter auch der Bundesrepublik, wegen Waffenlieferungen an Südafrika und Unterstützung der portugiesischen Kolonialpolitik. Der sambische Präsident Kanada will in Begleitung der Außenminister Malis, Kenias, Algeriens und Kameruns Paris, London und Bonn aufsuchen, um die Beschlüsse der OAU vorzutragen. Bei der Eröffnung der Sitzungen in Lusaka beschuldigte er die westlichen Staaten, durch Waffenlieferungen an Südafrika und Unterstützung Portugals Unruhe nach Afrika zu tragen. Hauptziel einer blockfreien Politik müsse die Verminderung jeder Abhängigkeit von den Großmächten sein.

Am Vorabend der Konferenz hatte Sambias Polizei 16 Journalisten vorübergehend festgenommen und verhört. Einige mußten nach ihrer Freilassung das Land verlassen. Als Grund wurde voreingenommene und unfreundliche Berichterstattung angegeben.