Von Peter Wapnewski

I

Es gibt Germanistik. So lautete eine der drei Thesen des wissenschaftstheoretischen Plenumsvortrags, der den Kongreß einleitete.

Aus mehr als dreißig Ländern waren mehr als dreihundert Germanisten, ihrerseits mehr als zehn Fächer vertretend, zum idyllischen Campus der altenglisch furnierten elitären Princeton University gereist, wo der Präsident der „Internationalen Vereinigung für Germanische Sprach- und Literaturwissenschaft“ Victor Lange ihnen einen perfekten Rahmen und eine bestechende Szenerie gerichtet hatte.

Vertreten waren auch die sozialistischen Länder des sogenannten Ostblocks; es fehlten: die deutschen Germanisten aus der DDR. Sie hatten ihre Zusage im letzten Augenblick unter fadenscheinigem Vorwand rückgängig gemacht. Auch dies ein Beitrag zu einer deutschen Wissenschaft.

Doch auch andere fehlten. Während etwa jede der australischen Universitäten durch zumindest einen Germanisten repräsentiert war, buchte das Teilnehmerverzeichnis für die USA, für England und Frankreich (ganze fünf Vertreter!) eine relativ schmächtige Zahl.

Das mag auch an Reise- und Finanzierungsschwierigkeiten gelegen haben. Eine solche Erklärung reicht jedoch nicht. Es scheint der Germanistik die Möglichkeit der Solidarität abhanden zu kommen im gleichen Augenblick, da sie unter dem Druck der öffentlichen und internen Kritik in die Ecke, an die Wand getrieben wird. (Man mag, wenn man will, den Vorgang dialektisch verstehen.)