Marschall Tito blies zum Sammeln. Und wie schon 1961 in Belgrad und drei Jahre später in Kairo, erschienen sie wieder in großer Zahl und großer Besetzung: Die blockfreien Länder, vierundsechzig an der Zahl, trafen sich diesmal in Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Wieder wollen sie den mächtigen und reichen Staaten demonstrieren, daß sie auf der Bühne der Weltpolitik nicht eine Statistenrolle übernommen haben, sondern die Rolle des dritten Hauptdarstellers zu spielen gedenken.

Schon vor zehn Jahren in Belgrad, als sich auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Ost und West feindlich gegenüberstanden, war die Hoffnung der bündnisfreien Staaten, als dritte neutrale Kraft eine weltpolitische Rolle zu übernehmen, nicht mehr als ein schöner Traum. Es gelang ihnen nicht, mit einer Stimme zu sprechen: Weder fanden sie einen gemeinsamen Nenner, der ihre eigenen Probleme in Afrika oder Asien betraf – das biafranische Blutbad konnten sie nicht verhindern –, noch wußten sie sich auf eine gemeinsame Haltung gegenüber Vietnam zu einigen.

Die politische Machtlosigkeit der in Lusaka versammelten Staaten, von Indien bis Kuba, liegt in ihrer wirtschaftlichen Schwäche begründet. Alle bisher geleistete Entwicklungshilfe hat einen Ausweg aus dieser Misere nicht gewiesen. Im Gegenteil, die Kluft zwischen reichen und armen Nationen wuchs von Jahr zu Jahr.

Doch es sind nicht ihre wirtschaftlichen Probleme, die ihnen vor allem Sorge bereiten. Sie gehen vielmehr der alten, immer wiederkehrenden und bislang ungelösten Frage nach: Mit welchen Mitteln kann die weiße Herrschaft im südlichen Afrika – in Mozambique, Angola, Rhodesien und in der Südafrikanischen Union – beseitigt werden? Und so werden denn in Lusaka auch die alten Verdammnisurteile gefällt werden.

Etwas allerdings wird neu sein: Zu den Buhmännern gehört außer den USA und England nun auch die Bundesrepublik. Ihr nehmen die Afrikaner die Beteiligung am Cabora-Bassa-Projekt in Portugiesisch-Mozambique übel.

v. K.