München

Ohne Maßband, ohne Bikini-Show und ohne „Schiebung“-Zwischenrufe fand eine notable Jury die „schöne Münchnerin“. Sie ist blond und blauäugig und machte das Rennen vor allem wegen ihrer Natürlichkeit und ihrer körperlichen wie auch geistigen Frische. Mit einem Wort: sie ist das, was bayerische Kenner „liab“ nennen. Die Jury drückte dies etwas differenzierter aus: Sie hat den spezifisch münchnerischen Charme.

Ursula Badenberg ist 25, zwar nicht mit Isarwasser getauft (weil in Kaufbeuren geboren), aber seit 10 Jahren unter den Frauentürmen zu Hause. Die „schöne Münchnerin“ von 1970 soll nicht die Schönheitsgalerie des feinsinnigen Bayernkönigs Ludwig I. bereichern, vielmehr darf sie zum Ruhme von Olympia agieren: Als „Leitfigur“ – auf die Bezeichnung Hauptdarstellerin oder Star hat man tunlichst verzichtet – in dem dritten Olympiawerbefilm „Eine Stadt lädt ein“ soll sie München den Fremden begehrenswert machen.

Um den 5000-Mark-Job hatten sich 245 Mädchen beworben. Sechzehn kamen in die Endausscheidung und paradierten im Dirndl oder Maxi. Manche Ex-Miß war darunter. Nachdem der Filmboß diskret von allzu routiniertem Charme der Bewerberinnen abgeraten hatte, war zuletzt Uschi als erste am Ziel: Olympia-Präsident Willi Daume überbrachte das Siegesbusserl.

Notabene: Wenige Tage zuvor war eine andere bedeutsame Olympia-Entscheidung in München gefallen. Der in Bayern geborene Rauhhaardackel „Cherie“ – trotz prominentem Stammbaum zur Zeit noch nicht ganz stubenrein – wurde als Maskottchen der Olympischen Spiele zu München 1972 auserkoren. Auch das war eine Daume-Idee. K. G.