In der CDU hielt die Diskussion um den deutsch-sowjetischen Vertrag unvermindert an. Während der ehemalige Außenminister Schröder seiner Partei empfahl, strittige Passagen positiv zu interpretieren, kritisierte der „Bayernkurier“ in ungewöhnlich scharfer Form die „fruchtlose Debattierkunst“ der Union, die darüber das Hauptziel, den baldigen Sturz der Regierung, aus den Augen verliere. (Siehe Dokument der ZEIT).

Obwohl die Tagung der CDU-Fraktionsvorsitzenden noch einmal die Absicht der Union in der Deutschland- und Ostpolitik bekräftigte, erst weitere Ergebnisse abzuwarten, sind die Differenzen nicht beigelegt. Dafür spricht neben ablehnenden Äußerungen Kiesingers und Hecks auch die Verlegung des Programmparteitags auf Ende Januar nächsten Jahres.

Um eine vermittelte Haltung bemüht sich weiterhin der Unions-Fraktionsvorsitzende Barzel. Er hält nach eingehenden Konsultationen in den Hauptstädten der westlichen Alliierten eine gemeinsame Berlin-Politik der drei Westmächte, der Bundesregierung, der Opposition und des Westberliner Senats für möglich. Nach seinen Informationsbesuchen in Paris, London und Washington urteilte er: Die Reaktion der Verbündeten sei ziemlich einheitlich und positiv gewesen; dagegen sei in „anderen Kreisen“ die Befürchtung geäußert worden, Bonn könne künftig seinen Platz zwischen Ost und West suchen.

Barzel trifft noch diese Woche mit dem Bundeskanzler zusammen. Den Vorwurf, Deutschland könne das westliche Bündnis preisgeben und mit seinem „Ja“ zur Sicherheitskonferenz die europäische Integration verzögern, wies Brandt zurück. Die Ostpolitik Bonn; basiere auf der Westpolitik, erklärte er in Hamburg. Die DDR forderte er auf, sich bei einer verbesserten Berlinregelung „festzulegen und festlegen zu lassen“. Es liege auch nicht im Interesse einer Entspannungspolitik, die Kasseler „Denkpause“ über Gebühr zu verlängern.

Überraschend ist der Termin für die 6. deutsch-polnische Gesprächsrunde verschoben worden, die für den 8. bis 10. September erwartet wurde. Das Auswärtige Amt teilte mit, man verhandele noch über „substantielle, aber nicht finanzielle“ Dinge. Es bestehe kein Zusammenhang mit der Reise des DRK-Präsidenten Bargatzky nach Warschau, der dort Gespräche über Aussiedlungsfragen führt. Das Thema deutscher Minderheiten in Polen wird nicht in den Vertrag aufgenommen.

Spekulationen und Gerüchte hat die Reise der ersten offiziellen SPD-Delegation nach Jugoslawien unter Leitung des stellvertretenden Parteivorsitzenden Wehner ausgelöst. Die Besucher wurden auch von Staatschef Tito empfangen. Laut Schlußkommuniqué wurden Probleme der Weltpolitik und der gegenseitigen Beziehungen besprochen. Wehner schloß nach seiner Rückkehr ein Treffen Brandt–Tito nicht aus.

Den Wunsch der Bundesregierung, mit der ČSSR zu einer befriedigenden Übereinkunft zu gelangen, hat der Minister für innerdeutsche Beziehungen, Franke, ausgesprochen.