Der August hat an der deutschen Börse nicht gehalten, was der Juli versprach. Die allgemeine Aufwärtsbewegung hörte auf. An ihre Stelle traten Aufwärtsschwünge einzelner Papiere, die zum Teil auf Anlagekäufe von Investmentfonds (Versorgungs-, Bank- und Kaufhausaktien) oder auf spekulative Erwägungen des Berufshandels zurückzuführen sind.

Die Tatsache, daß die deutschen Standardaktien auf der Stelle traten oder sogar rückläufig wären, ist ein Warnzeichen. Wenn bei festerer Börsentendenz die „großen“ Papiere nicht mitziehen, wird es sehr bald auch keine Sonderbewegungen in den Aktien kleinerer Gesellschaften mehr geben. Die bisherige Kursentwicklung im September scheint diese Erfahrung zu bestätigen.

Die Großanleger lassen sich auch nicht durch die relativ niedrigen Kurs/Gewinnverhältnisse der Unternehmen der Großchemie verleiten, ihre Bestände an diesen Werten nennenswert zu erhöhen. Die Halbjahresberichte der BASF und Bayer haben die Skepsis gegenüber diesen Papieren eher noch verstärkt. Auch bei den Eisen- und Stahlpapieren zieht das niedrige Kurs/Gewinnverhältnis nicht, ebensowenig die hohe Barrendite, obwohl man ziemlich sicher sein kann, daß die Stahlkonzerne für das laufende Geschäftsjahr ihre Dividenden sicherlich nicht zu senken brauchen. Daran wird auch die kommende Lohnerhöhung nichts ändern. Bemerkenswert: Klöckner hat mit 8,5 Prozent die gleiche Barrendite wie die deutschen Inlandsanleihen. Die sicherlich vorhandene Kurschance bekommt der Käufer also gratis.

Die Aktien der deutschen Autoindustrie haben sich nicht ganz gleichmäßig entwickelt. Bei Daimler regte das „große Ostgeschäft“ an, von dem jedoch bisher niemand weiß, ob es überhaupt zustande kommen wird. Auch für Audi/NSU gelten Sondergesichtspunkte. Die British-Israel Bank in Tel Aviv hat sich hier neben der IOS stark engagiert und versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen hohen Abfindungskurs zu erreichen. Nur so läßt sich das ungewöhnliche Kurs/Gewinnverhältnis von 52 erklären. Nichts zeigt deutlicher, wie sehr sich der Kurs von den wirtschaftlichen Realitäten entfernt hat.

Trifft das auch für den Gelsenberg-Kurs zu, der sich im August um etwa 20 Prozent verbessert hat? Die großen Umsätze in diesem Papier lassen den Schluß zu, daß hier keinesfalls nur kleine Jobber am Werke waren, sondern daß hier mehr als nur reine Spekulation am Werke gewesen sein muß. Wenn die Gerüchte stimmen, wonach sich ein oder mehrere Fonds in diesen Papieren engagiert haben, müßten Millionen dafür aufgebracht worden sein. Sicher ist: Gelsenberg-Aktien sind wieder interessant geworden.

K. W.