Die Nahostfriedensgespräche sind in eine Sackgasse geraten. Nach intensiven Beratungen hat die israelische Regierung beschlossen, sich so lange nicht mehr an den Gesprächen unter Leitung des UN-Sonderbeauftragten Jarring zu beteiligen, bis Ägypten seine während des Waffenstillstands vorgeschobenen Raketenbasen aus der Kanalzone zurückgenommen hat. Botschafter Tekoah kehrte nach New York zurück, um Jarring diesen Entschluß seiner Regierung zu unterbreiten und noch einmal die grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft Jerusalems zu bekräftigen.

Mit dem Beschluß, die Gespräche vorläufig zu boykottieren, hatte sich Verteidigungsminister Dayan im Kabinett durchgesetzt. Erst auf unaufhörliches Drängen der Israelis hin hatten die USA öffentlich die ägyptischen Verletzungen des Waffenstillstands verurteilt und als Ausgleich die Lieferung weiterer Flugzeuge sowie elektronischer Waffen und Geräte zur Raketenbekämpfung zugesagt.

Israel gab sich damit jedoch nicht zufrieden; es beharrt weiterhin darauf, daß die 30 neuen Batterien mit zusammen 200 Abschußrampen für SAM-2-Raketen im Sperrgebiet entfernt werden. Bis dahin müsse sich Israel seine militärische Handlungsfreiheit vorbehalten.

Der Kabinettsbeschluß, der Dayans Forderungen folgte, beendete eine heftige innenpolitische Auseinandersetzung. Ministerpräsidentin Golda Meir erklärte, daß es nun keine Meinungsverschiedenheiten mehr unter den Ministern gebe.

Nicht beendet dagegen scheint die Vertrauenskrise zwischen Jerusalem und Washington. Golda Meir forderte die USA nachdrücklich auf, den Worten jetzt Taten folgen zu lassen. Sie wird Ende September, früher als vorgesehen, in die USA reisen, um mit Präsident Nixon die gespannte Lage am Kanal zu erörtern.

Von arabischer Seite wurde die Entscheidung Israels scharf kritisiert. Offiziell hat Kairo den Vorwurf der Waffenstillstandsverletzung nicht dementiert, aber keinen Zweifel gelassen, daß es die Raketen in der Sperrzone nicht abbauen werde. Informationsminister Heikal beharrte auf einer Fortsetzung der New Yorker Gespräche.

Während am Kanal nicht geschossen wurde, drangen israelische Truppen nach mehreren Überfällen arabischer Freischärler in den Südlibanon ein. In einer vierzigstündigen Aktion drängten sie die Palästinenser am Berge Hermon aus ihren Stellungen und zogen sich dann zurück. Auf Antrag des Libanon trat der UN-Sicherheitsrat zusammen und tadelte Israel.

Zu blutigen Zwischenfällen, die trotz mehrfacher Schlichtungsversuche immer wieder aufflackerten, kam es in Jordanien. Regierungstruppen und palästinensische Freischärler lieferten sich erbitterte Kämpfe, bei denen fast hundert Menschen getötet wurden. König Hussein erklärte, niemand wolle die Freischärler liquidieren, notfalls werde er aber mit Gewalt für Ruhe und Ordnung in seinem Lande sorgen. Der Irak kündigte daraufhin an, er werde seine 12 000 in Jordanien stationierten Soldaten zum Schutz der Partisanengruppen einsetzen. Nachdem auch Syrien mit einer Intervention gedroht hatte und Libyen seine Zahlungen an Jordanien einstellte, bat Hussein die vier Großmächte um Hilfe.