Von Wolf Donner

Er ist achtundfünfzig Jahre alt und gilt als einer der größten und wichtigsten Regisseure der Gegenwart. Jeder seiner Filme ist als ein Schlüsselwerk unserer Zeit in der ganzen Welt gezeigt worden: „Der Schrei“ (1957), „Die mit der Liebe spielen“ (1959), „Die Nacht“ (1960), „Liebe 61“ (1961), „Die rote Wüste“ (1964), „Blow up“ (1967); frühere Filme wie „Kinder unserer Zeit“ (1952) oder „Die Freundinnen“ (1955) warten noch auf ihre Wiederentdeckung durch Publikum und Kritik.

Mit seinem letzten, in Amerika gedrehten Film hat Michelangelo Antonioni zum erstenmal kein Glück gehabt, bisher wenigstens. Das Magazin Time bezeichnet „Zabriskie Point“ als „einen mit giftiger Feder geschriebenen Brief an Amerika“ und nennt die Hauptdarsteller wie den ganzen Film „pretty but empty“; Newsweek wirft dem Film vor, er nehme Amerika mit verstopften Ohren, Glasaugen und einem getrübten Verstand wahr; die USA seien eine lohnende Zielscheibe für gute Schützen, nicht für jemanden, der nur spucke. Die Untergrundpresse konzediert dem geschmähten Regisseur eine Art ungeschmälerter Sohn-Vater-Sympathie, dem Film seine unpolitische „out-of-date quality“. Das bisherige Echo in Europa ist skeptisch-wohlwollend bis negativ.

„Zabriskie Point“ hat gegen eine dreijährige Vorreklame von vereinzelten Nachrichten, Interviews, Skandalmeldungen und Produktionsberichten anzukämpfen, die die Erwartungen ungewöhnlich hochgeschraubt haben. Längst erscheint vielen die Entstehungsgeschichte, dieses Films entschieden aufregender als das endgültige Produkt selbst;

Vorspiel

Im Mai 1967 flog Antonioni zum erstenmal in die Staaten; er bereiste das Land kreuz und quer, im Auto, Flugzeug oder Hubschrauber, machte Skizzen und Notizen. Und ließ sich Zeit.

Der Zwanzig-Millionen-Dollar-Erfolg von „Blow up“ hatte die würdige Firma Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) bewogen, dem Regisseur einen großzügigen Vertrag über drei Filme zu unterbreiten und ihm, recht außergewöhnlich für Hollywood, volle. Freiheit bei der Produktion zuzusichern. Sein erstes Projekt: „ein Film über Amerika“.