Gerhard Frühe, seit kurzem Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa für den Bereich Personal, spottete über sich selbst: „Es hat nur der Bestellung eines Vorstandsmitgliedes für Personalfragen bedurft, um einen internationalen Ausnahmezustand zu beenden.“

Der „internationale Ausnahmezustand“: In der Geschichte der Deutschen Lufthansa hat es noch niemals einen Streik gegeben. Jetzt aber sieht es so aus, als würden die gewerkschaftlich organisierten Stewards und Stewardessen in absehbarer Zeit diesem glücklichen Zustand ein Ende bereiten.

Der Bundesvorstand der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) hat den Antrag der Tarifkommission auf Durchführung einer Urabstimmung bei den Flugbegleitern der Lufthansa genehmigt. Bis zum 16. September sollen sie darüber abstimmen, ob Kampfmaßnahmen zur Durchsetzung der Forderungen ihrer Tarifkommission verfügt werden dürfen. Von den rund 1600 Flugbegleitern sind etwa 750 in der DAG organisiert. Von ihnen müssen 75 Prozent für den Streik stimmen, damit frühestens am 17. September gestreikt werden könnte.

Zum Streit zwischen Gewerkschaft und Lufthansa kam es, als sich die Tarifpartner nicht auf einen neuen Verhandlungstermin für Tarifverhandlungen einigen konnten. Statt einen Termin Anfang September, wie ihn die Gewerkschaftsvertreter wünschten, boten die Lufthanseaten den 18. oder 21. September an.

Die DAG-Tarifkommission warf der Lufthansa daraufhin Verschleppungstaktik vor und erklärte die Verhandlungen für gescheitert.

Die Herren in Köln dagegen halten den Terminkrieg für „nicht situationsgerecht“, zumal man sich mit der Tarifkommission der Gewerkschaft „materiell dicht beisammen“ wähnte.

Doch die Mitglieder der Tarifkommission sehen bei der Lufthansa keine allzu große Bereitschaft, auf die Gewerkschaftsforderungen eingehen zu wollen: „Tatsächlich sind von einem Neun-Punkte-Programm erst zwei Punkte mit den Vertretern der Lufthansa behandelt worden, aber nur bei einem Punkt hat man sich geeinigt.“