Die Regierung ist gut beraten,

wenn sie sich zur „Steuerehrlichkeit“ bekennt

Der Tagespresse war zu entnehmen, daß die FDP, deren Bundeshauptausschuß in Frankfurt tagte, sich nun einer strikten Stabilitätspolitik verschworen habe, die zwangsläufig auf einen Bruch mit der „offiziellen“ Wirtschaftspolitik der sozial-liberalen Koalition hinsteuere.

Zur Untermauerung dieser These: Willy Brandt und sein Kabinett wollen ein ganzes Bündel von inneren Reformen durchführen und finanzieren, was angeblich nur geht, wenn die Wirtschaft ohne Unterbrechung wächst.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, will die FDP diesen schier selbstmörderischen Weg einer wirtschaftspolitischen Konfrontation mit ihrer Regierung nicht gehen. Was sie will, ist etwas mehr Profil und eine freundliche Erinnerung an jene stabilitätsbewußten Wähler in Hessen und Bayern, die in diesem Herbst ihren Landtag neu wählen.

Was man der FDP außerdem unterstellen kann, ist eine Schützenhilfe für Karl Schiller und Alex Möller, die beide zwar auch stabile Preise haben möchten, die aber im Bundeskabinett nicht genügend Gehör finden. Mehr wollte die FDP in Frankfurt nicht. Jene Vertreter der Opposition, die emsig nach Bruchstellen zum Spalten der Kleinen Koalition fahnden, können sich allenfalls damit trösten, daß SPD und FDP in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht so bruchlos einer Meinung sind wie in der Ostpolitik.

Die FDP, will sie sich nicht selbst den Fangschuß geben, kann in der kommenden wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung in Bonn höchstens einen sanften Druck auf ihren Koalitionspartner ausüben. Einen Druck, in der Richtung, daß sich die Regierung endlich zu den Alternativen bekennt, die allein vertretbar sind: