Alles, was sich in den letzten Tagen in der Nahost-Region ereignete, deutet auf den Ausbruch eines neuen kriegerischen Konfliktes hin: Am Suezkanal bauen die Ägypter eine Raketenbasis nach der anderen auf; Israels Armee wird von den Amerikanern mit immer neuen Waffen ausgerüstet; die Vermittlungsgespräche in New York stagnieren. Und nun droht in Jordanien ein Bürgerkrieg.

Nachdem in der vergangenen Woche dreimal das Abkommen gebrochen wurde, das die Regierung mit den Guerillas geschlossen hatte, übernahmen in Amman jetzt die Militärs die Macht. Der König wußte sich keinen anderen Rat mehr, ihm blieb nur noch die Flucht nach vorn.

Die neuen Herren haben angekündigt, sie würden "mit eiserner Faust gegen alle, die Unordnung stiften" vorgehen. Diese Warnung ist vor allem an die Freischärler gerichtet; sie gilt aber auch jenen Offizieren, die allenthalben auf eigene Faust handeln.

Wie der Kampf um den König und um seinen Staat ausgehen wird, ist ungewiß. Offen bleibt auch, wie sich die 12 000 irakischen Soldaten verhalten werden, die in Jordanien stationiert sind und die zu den Palästina-Partisanen halten. Werden sie, wenn es zum Kampf der Armee gegen die aufrührerischen Fedayin-Verbände kommen sollte, Gewehr bei Fuß stehen? Und werden die Israeli von einer Intervention absehen, wenn tatsächlich ein Yassir Arafat in Amman an die Macht käme? Auf all diese Fragen gibt es noch keine Antwort.

Nur soviel ist sicher: Die 50 Geiseln, die von der radikalen "Volksfront" festgehalten werden, schweben in großer Gefahr. Sie sind nun auch, sollte es zu einem Bürgerkrieg kommen, ein Faustpfand der Freischärler gegen die Militärs.

D. St.