Pierre Boulez: "Pli selon pli"; Lukomska (Sopran), Bergmann (Klavier), BBC Symphony Orchestra, Leitung: Pierre Boulez; CBS 72 770, 25,– DM.

Pli selon pli – Stich für Stich zieht der amerikanische Plattenkonzern CBS seine Boulez-Trümpfe aus dem Ärmel: Nachdem der französische Komponist als Dirigent sich auch für die Firma mit Debussy, Berlioz und Strawinsky genügend Reputation verschafft hat, darf er nun, sorgfältig dosiert, seine eigenen Werke einspielen.

Pli selon pli – Stein für Stein gibt in einem Gedicht des französischen Impressionisten Stephane Mallarmé der schwindende Nebel den Blick auf die Fassaden von Brügge frei; pli selon pli – Strich für Strich, in einem "work in progress", zeichnete Boulez zwischen 1957 und 1962 ein musikalisches Porträt des Dichters; pli selon pli – Satz für Satz wurde aber auch im Laufe der Jahre aus der für Kammerensemble fein instrumentierten Zeichnung ein dicker Ölschinken für großes Orchester.

Pli selon pli – Stück für Stück hat Boulez seinen Hörern klarmachen können, was heute unter analytischer Interpretation zu verstehen ist: die Strukturen offenlegen, metrische Relationen deutlich machen, zeigen, daß formaler Aufbau auch Aufbau aus Dynamik, Klangfarbe, Tempo und Artikulation bedeutet; an seiner eigenen Kantate demonstriert er das Verfahren noch einmal klar und leicht einsichtig.

Und pli selon pli – ganz allmählich – hat Boulez auch das BBC Symphony Orchestra zu jener Präzision bringen können, die für eine solche analytische Interpretation nun einmal nötig ist, soll das Ganze nicht wie ein akademisches Seminarreferat klingen.

Hoffentlich werden nun auch die Käufer pli selon pli reagieren. Heinz Josef Herbort