Nur: dieser Status hat mit dem Potsdamer Abkommen nichts zu tun. Bereits zehn Monate vor der Potsdamer Konferenz wurde im Londoner Abkommen vom 12. September 1944 für Berlin eine "Sonderform der Besatzung", die gemeinsame Besetzung durch Streitkräfte der USA, Großbritanniens und der UdSSR sowie die Einteilung der Stadt in Sektoren, vereinbart. Mit einem Ergänzungsabkommen wurde bei der Jalta-Konferenz im Februar 1945 auch Frankreich an der alliierten Kontrolle über Berlin beteiligt. In ihrem Chruschtschow-Ultimatum vom 27. November 1958 versuchte die Sowjetunion vergeblich, das Londoner Abkommen zu kündigen. Eine solche einseitige Kündigung ist nicht möglich. Seitdem wird das Londoner Abkommen von der Sowjetunion nicht mehr erwähnt, seine Gültigkeit aber auch nicht bestritten.

Der Viermächtestatus besteht fort, obwohl die ebenfalls 1944 vereinbarte Viermächteverwaltung Berlins seit dem Auszug der Sowjets aus dem Alliierten Kontrollrat am 16. Juni 1948 auf eine Dreimächteverwaltung für West-Berlin eingeengt wurde. Das Anwesenheitsrecht aller Siegermächte in Berlin ist jedoch unabhängig vom Viermächtestatus. Dieses Recht beruht auf dem Sieg über Deutschland und auf der Okkupation der vorher vereinbarten Besatzungsgebiete.

Die drei Westsektoren wurden bei Kriegsende von der Sowjetunion nur treuhänderisch besetzt, ebenso wie die Westalliierten Thüringen, Sachsen und Teile Mecklenburgs für die Sowjetunion erobert hatten. Anfang Juli 1945 wurden diese Gebiete den sowjetischen Truppen überlassen, während im Austausch dafür Amerikaner und Engländer in Berlin einrückten; die Franzosen folgten Mitte August.

In den 25 Jahren, die seitdem vergangen sind, ist die gemeinsame Viermächteverwaltung zerstört, sind die Vereinbarungen und Rechte der Siegermächte bestritten und bekräftigt, strapaziert und teilweise suspendiert worden. An ihren Grundrechten aber haben die Westmächte festgehalten; jede Verletzung haben sie durch Proteste als unrechtmäßig gekennzeichnet. Bei der Viermächtekonferenz in London erklärten die drei Mächte am 3. Oktober 1954, "daß sie jeden Angriff gegen Berlin, von welcher Seite er auch kommen mag, als einen Angriff auf ihre Streitkräfte und sich selbst behandeln werden".

Oft genug haben die Westmächte diese Garantien erneuert, nach dem Chruschtschow-Ultimatum, nach dem Mauerbau und bei anderen Gelegenheiten. Am präzisesten sind sie in den "three essentials", den drei Grundbedingungen für Berlin, formuliert worden: Sie umfassen das Anwesenheitsrecht der Alliierten in Berlin, das Recht auf freien Zugang nach Berlin und die Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit der Stadt und der Freiheit der West-Berliner Bevölkerung.

Die Sowjetunion hat diese Garantien respektiert. Und sie hat nicht nur an einigen Einrichtungen der Viermächtekontrolle über ganz Deutschland, sondern auch an den Resten desViermächtestatus für Berlin festgehalten. Die vier Botschafter, die die Funktion der Hohen Kommissare übernommen haben, bleiben nicht nur während der gegenwärtigen Viermächtegespräche in Kontakt miteinander. Die drei Westmächte haben Verbindungsmissionen mit jeweils zehn bis zwanzig Angehörigen bei den sowjetischen Streitkräften in Potsdam; ihre Mitglieder dürfen sich in der DDR frei bewegen. Diese Missionen unterstehen nicht den Berliner Garnisonen, sondern den Alliierten Streitkräften in der Bundesrepublik. Die Sowjetunion hat bei den Hauptquartieren der amerikanischen, englischen und französischen Truppen in Westdeutschland ebensolche Missionen.

Auch der Alliierte Kontrollrat, der nach dem Londoner Abkommen das oberste Kontrollorgan für Deutschland sein sollte, ist nie aufgelöst worden. Die Sowjets haben zwar seit dem 20. März 1948 nicht mehr an seinen Sitzungen teilgenommen. Sie waren aber bereit, sich sowohl nach der Pariser Außenministerkonferenz als auch jetzt in dem nun wieder renovierten Gebäude zu Gesprächen mit den Westalliierten zu treffen.