Dabei ist es bis heute geblieben. Das derzeit gültige Besatzungsstatut ist in der "Erklärung über Berlin" vom 5. Mai 1955 beschrieben worden. Darin heißt es, den Berliner Behörden sollte die größtmögliche Freiheit gewährt werden, die mit der besonderen Lage Berlins vereinbar ist. Berlin könne alle Rechte seiner Verfassung ausüben, wenn nicht alliierte Vorbehalte entgegenstehen. Diese Vorbehalte umfassen ziemlich pauschal alle Maßnahmen, die zur Erfüllung der internationalen Verpflichtungen der Alliierten, "zur Sicherung der öffentlichen Ordnung und zur Erhaltung des Status und der Sicherheit Berlins, seiner Wirtschaft, seines Handels und seiner Verbindungslinien notwendig sind". Unter anderen behielten die Alliierten auch die Befehlsbefugnis über die Berliner Polizei, soweit dies für die Sicherheit Berlins notwendig ist.

Die Alliierten erheben weder Einwände gegen die Bundespräsenz noch dagegen, daß Berlin in einem besonderen Verfahren die Gesetze der Bundesrepublik übernimmt – mit einigen Ausnahmen, wie etwa Wehrgesetze oder Notstandsgesetze. Die Rechtseinheit zwischen West-Berlin und dem Bundesgebiet bleibt dadurch weitgehend erhalten, aber eben nicht vollständig, weil in West-Berlin das Besatzungsrecht noch immer übergeordnetes Recht ist. Die Alliierte Kommandantur übermittelt dem Senat im Jahr durchschnittlich fünfzig Mitteilungen ("Berlin Kommandantura Letter"), in denen sie unter anderem auch auf abweichende Rechtsauffassungen hinweist. Darüberhinaus erreichen den Senat jährlich rund zehn Befehle (Berlin Kommandantura Order). Mit einer solchen BKO haben die Alliierten angeordnet, daß nur die "West-Berliner Teltowkanal AG" auf dem Teltowkanal Gebühren; erheben kann, damit wurde ein Versuch der DDR abgewehrt, solche Gebühren in West-Berlin zu kassieren.

Im Berliner Alltag ist es nicht zu spüren, daß West-Berlin im Gegensatz zur Bundesrepublik unter Besatzungsrecht steht. Aber die Mehrzahl der Berliner weiß sehr gut, daß die drei Westmächte ihre Sicherheit garantieren. Bei seinem Besuch im Februar 1969 sagte Präsident Nixon vor amerikanischen Soldaten: "Sie sind nicht als Besatzungstruppe hier ... Sie sind hier, weil wir zusammen mit dem Volk dieses Landes und dieser Stadt wünschen, sein Recht auf Freiheit zu verteidigen." (Schluß)