Die Konferenz der blockfreien Staaten in Lusaka ist zu Ende gegangen. Rund 60 Nationen waren in der Hauptstadt Sambias zusammengekommen, um nach den Konferenzen von Belgrad (1961) und Kairo (1964) ein drittes Mal zu demonstrieren, daß sie mächtig sind, wenn sie nur einig sind.

Marschall Tito aus Jugoslawien hatte am Zustandekommen der Konferenz die größten Verdienste, und in seinem Glanz sonnten sich die afrikanischen Teilnehmer, die das Hauptkontingent der Konferenz bildeten. Sie waren es, die immer wieder den Ruf nach Einigkeit erhoben und in gleichsam euphorischer Stimmung zu der Erkenntnis kamen, daß "ihre Zeit als Lehrlinge", wie es einer von ihnen formulierte, nun endgültig vorbei sei.

Doch mit der vielbeschworenen Einigkeit haperte es. Die Spannweite der Themen war zu groß. Was den Südamerikanern am Herzen lag, interessierte die Asiaten wenig, was dagegen den Afrikanern auf den Nägeln brannte, fand wieder bei jenen nur ein schwaches Echo. So stellte jeder seine Sorgen in den Vordergrund. Kaunda, Staatschef von Sambia und Nachbar von Portugiesisch-Mozambique, sprach vom Cabora-Bassa-Staudamm und geißelte die Beteiligung der Bundesrepublik an diesem Projekt. Das Hauptthema der Araber war wie gewöhnlich Israel.

Indira Gandhi mahnte schließlich die Konferenzteilnehmer, den Worten auch Taten folgen zu lassen, die Resolutionen nicht zu einem bloßen Stück Papier zu degradieren. Die Vertreter der blockfreien Staaten einigten sich darauf, ein Prozent ihres Volkseinkommens in einen Fonds abzuführen, mit dem der Kampf der verschiedenen nationalen Befreiungsfronten unterstützt werden soll; die Bodenschätze in der Dritten Welt gemeinsam auszubeuten; jenen Staaten, die Waffen an Südafrika liefern, die Hafen- und Landerechte zu verweigern. In Bezug auf Israel, das in Afrika manche Sympathien genießt, konnten sich die Konferenzteilnehmer allerdings nicht einigen.

Wie immer auch die Konferenz in Lusaka bewertet werden mag, für den Gastgeber Kaunda war sie ein großer Prestigegewinn. Manche Kommentatoren der afrikanischen Szenerie sehen ihn bereits als einen neuen Führer der blockfreien Welt. Seinen ersten Test muß er bestehen, wenn er im Herbst nach Westeuropa reist, um in Paris, London und Bonn für einen Stopp der Nato-Hilfe an Portugal zu plädieren. Für ihn ist das Projekt Cabora-Bassa der Prüfstein, ob die westliche Welt sich zur Freiheit und Selbstbestimmung der Afrikaner bekennt oder immer noch den Kolonialismus unterstützt. v. K.