Hamburg

Bei der Suche nach einem neuen Chef der Hamburger Fremdenverkehrswerbung kam ein Mann ins Gespräch, der mit bewunderndem Unterton der "Säuberer von St. Pauli" genannt wird: Amtsrat Falck, zuständig für die Ordnung im hansestädtischen Lustbereich und in den Augen der Hamburger ein "doller Kerl", weil er sich bei diesem kräfteverschleißenden Geschäft die Achtung der Etablissementsherren erwarb.

Aber kaum begannen heimliche Werber-Wünsche zu kribbeln – München ist die Weltstadt mit Herz, Berlin Weltstadt mit Schnauze, warum Hamburg nicht Weltstadt mit Busen? –, da ging man über St. Pauli-Assoziationen hinweg wieder zur Tagesordnung über. An der Tagesordnung ist der Streit um die Werbung für alles; was in diese Stadt gehört. Er begann damit, daß der bisherige erfolgreiche Verkehrsdirektor, Anton Luft, 65 Jahre alt wurde und Anfang September ausschied. Fremdenverkehrsexperten sahen Schlimmes auf sich zukommen: "Wenn der Luft geht, bleibt uns die Luft weg."

Tatsächlich kam aus der Behörde für Wirtschaft und Verkehr eine drastische Entscheidung:

Die Fremdenverkehrs- und Kongreß-Zentrale (FKZ) ist in Zukunft nicht mehr zuständig für Hamburg-Werbung und -Marketing. Dieses Recht geht über auf die Arbeitsgemeinschaft Hamburg-Information (AHI), die bisher nur um kommerzielle Hamburg-Interessen warb: Um Hafen- und allgemeine Wirtschaftsinvestitionen. Wirtschaftssenator Helmuth Kern sah den Zeitpunkt für ein "Management der Werbung" gekommen und schnürte Wirtschaftswerbung und Fremdenverkehrskonzeption zu einem Paket zusammen.

Die Wächter über Hamburgs Image als Reisestadt jedoch fühlten sich "an Leib und Seele eingeschnürt". Der erste Vorsitzende der FKZ, Ex-Senator Dr. Heinrich Landahl, und sein Stellvertreter, der Hamburg-Experte und Schriftsteller Erich Lüth, legten ihr Amt nieder: "Wir strampeln uns ab, Hamburg als Kulturzentrum in der Welt schmackhaft zu machen, und die Wirtschaftsbehörde macht da jetzt ihren Markenstempel drauf wie auf einen Kaffeesack."

Die FKZ mitsamt ihrem 20köpfigen Vorstand fühlt sich "degradiert zu einem Verschönerungsverein, der nur noch aufzupassen hat, daß die Reedereimasten am Jungfernstieg frisch gestrichen werden, und ansonsten als Zimmervermittlung dient.