DIE ZEIT

Bürgerkrieg in Nahost?

Alles, was sich in den letzten Tagen in der Nahost-Region ereignete, deutet auf den Ausbruch eines neuen kriegerischen Konfliktes hin: Am Suezkanal bauen die Ägypter eine Raketenbasis nach der anderen auf; Israels Armee wird von den Amerikanern mit immer neuen Waffen ausgerüstet; die Vermittlungsgespräche in New York stagnieren.

Stückwerk

Auf dem Essener Katholikentag 1968 hatte sich der deutsche Katholizismus ein neues Image verschafft. Die Freimütigkeit und der spontane Elan, mit denen dort altgediente Selbstdarstellungsverfahren zu offenen Gesprächen umfunktioniert, die Amtskirche attackiert und reformerische Ideen verfochten wurden, hatten für ein neues Kennwort gesorgt: Mündigkeit.

Der Ärger mit der "Stagflation"

Um diese Frage wird sich die wirtschaftspolitische Auseinandersetzung im Bundestag und nicht nur in der nächsten Woche immer wieder drehen.

Der Kult der Gewalt

Es ist der Fluch der Gewalt, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Kaum irgendwo anders in der Welt ist in den letzten dreißig Jahren so ununterbrochen Blut geflossen, haben Terror und Gegenterror ein solches Ausmaß angenommen wie im Umkreis jenes Gebietes, das einst das Heilige Land genannt wurde.

Das Mädchen, das der Gewalt gehorcht

Ein paar junge Leute, die ihr etwas zu essen und etwas zu lesen bringen wollten, wurden von den Polizisten des Westlondoner Polizeireviers abgewiesen mit der Erklärung: "Miß Khaled hat alles, was sie braucht.

Der Mann, der von Bomben lebt

Sein Gesicht sieht nicht so aus: Es verrät nichts von der Lust an der Gewalt, von der Besessenheit, Schrecken zu verbreiten, Angst und Furcht.

Mit Brief und Siegel

Die absolute Diskretion, auf die Bonn bei den Gesprächen mit Polen achtet, hat auch ihre Schattenseiten. Hätte das Auswärtige Amt nicht so hartnäckig geschwiegen, wäre die Überraschung weniger groß gewesen; als die für Anfang des Monats erwartete neue Verhandlungsrunde mit Warschau vertagt wurde.

Wer hat Angst vor der NLA?

Seit dem Ausschlußantrag des FDP-Bundesvorstandes gegen Siegfried Zoglmann haben sich die Fronten in der Partei versteift: Willi Weyer spricht nicht mehr von dem weiten Spielraum, den das Parteigericht bei seiner Entscheidung habe, sondern von der Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der FDP und in der nationalliberalen Aktion.

Kein Spielraum

Das Sicherheitsbedürfnis des Ostens: Für Bulgarien ist die Sowjetunion der ideale Verbündete (Schluß)

Konferenz der Blockfreien: Die vielgepriesene Einheit

Die Konferenz der blockfreien Staaten in Lusaka ist zu Ende gegangen. Rund 60 Nationen waren in der Hauptstadt Sambias zusammengekommen, um nach den Konferenzen von Belgrad (1961) und Kairo (1964) ein drittes Mal zu demonstrieren, daß sie mächtig sind, wenn sie nur einig sind.

Zimmermanns schwarze Weste

Dies waren ein paar prächtige Tage für Zyniker. Im Saal 106 des Münchener Justizpalastes wurden acht Eide geleistet in einer Sache, die schon längst im Zeichen des Meineids stand.

Tarifrecht für Beamte?

Nach der Verfassung bestimmen über die Finanzen in Einnahmen und Ausgaben letztinstanzlich die Parlamente in Bund und Ländern.

Die Pflichten der Sieger

In knapp zwei Wochen treffen sich die Botschafter der vier Großmächte nach einer Sommerpause wieder im Gebäude des Alliierten Kontrollrates, um über Berlin zu beraten.

Flugzeugentführer vor Gericht: Nur ein Abenteuer?

Es geht um acht Einwohner von Ostrov aus Mährisch-Ostrau. Anfang Juni bestiegen sie – drei Ehepaare, zwei Verlobte und ein zweijähriges Kind – eine Linienmaschine der tschechoslowakischen Luftfahrtgesellschaft CSA von Karlsbad nach Prag.

Streit um Steuergelder: Eine teure Suppe

Zwar werden alle Parteien samt und sonders nicht müde, für Preisstabilität und konjunkturgerechtes Verhalten zu trommeln, doch andererseits bereiten sie klammheimlich eigene saftige Preiserhöhungen vor.

Übermut der Ämter: Wenn ein Kind verreist

Susanne will ihren Patenonkel besuchen, der in Frankreich lebt. Susanne wurde vor zwölf Jahren geboren. In Hamburg. Seitdem hat sie als Kind bürgerlicher Eltern in sogenannten geordneten Verhältnissen in Hamburg gewohnt, ununterbrochen.

Wider den Wucher: Sonntagspredigt

Es begann am 9. August um 11.15 Uhr: Vikar Michael Höhn, seit einem halben Jahr in der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Wersten tätig, predigte im Lydia-Heim, einer Filiale der Stephanus-Kirche, über das Himmelreich.

Uneinigkeit unter den Blockfreien

Ohne konkretes Ergebnis, aber mit vielen Zeichen innerer Schwäche, Uneinigkeit und Unsicherheit ging die dreitägige Gipfelkonferenz der blockfreien Staaten in der sambesischen Hauptstadt Lusaka zu Ende.

Katholikentag: Ohne Ergebnis

Der 83. Deutsche Katholikentag in Trier hat die mit ihm verknüpften Erwartungen nicht erfüllt. Unter dem Motto "Gemeinde des Herrn" war er bewußt als Arbeitstagung konzipiert worden; aber die Diskussionen und Referate in den sechs Foren und 27 Arbeitskreisen erbrachten keine schlüssigen Ergebnisse.

Freie Demokraten: Krise um NLA

Über den Entschluß des FDP-Bundesvorstandes, gegen den Bundestagsabgeordneten und Bundesvorsitzenden der Nationalliberalen Aktion (NLA), Siegfried Zoglmann, ein Ausschluß verfahren einzuleiten, wird innerhalb der Partei heftig diskutiert.

Fünfzig Geiseln in Jordanien versteckt

Seit Sonntag vergangener Woche hält eine fanatische Gruppe von 4000 Mann die ganze Welt in Atem. Die "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) hielt Mitte dieser Woche noch immer etwa 50 der entführten Flugzeugpassagiere als Geiseln gefangen – ungeachtet einer Resolution des Weltsicherheitsrates und unbekümmert um israelische Drohungen und Vorhaltungen der arabischen Regierungen.

Dokumente der ZEIT

"Wir leben in einem Land, in dem von 1000 geborenen Kindern 125 sterben, bevor sie ein Jahr alt geworden sind; und in der Provinz Rio Grande do Norte steigt diese Zahl auf 525, das heißt, auf mehr als die Hälfte .

Lenkt die CDU ein?

Die Diskussion um den deutsch-sowjetischen Vertrag und die Bonner Ostpolitik innerhalb der CDU ist abgeflaut. Nach den ersten vertraulichen Gesprächen zwischen Bundeskanzler Brandt und dem CDU/CSU-Fraktionsführer Barzel hat sich die vom Bundesvorstand der CDU schon früher beschlossene Auffassung durchgesetzt, eine endgültige Entscheidung von den Ergebnissen der Berlin-Verhandlungen Und den noch folgenden Gesprächen zwischen Regierung und Opposition abhängig zu machen.

Verwirrung in Nahost

Die Lage im Nahen Osten ist nach den Flugzeugentführungen verworrener denn je. Zwar hat die "Volksfront für die Befreiung Palästinas" mit ihren Aktionen bewiesen, daß sie einen Teil Jordaniens beherrscht, aber gleichzeitig haben der Irak und Syrien, die bisher bedingungslos die Partisanen im Kampf gegen die jordanische Regierung unterstützten, die Entführungen und Geiselmorddrohungen mißbilligt.

Jeder von uns ist jedermanns Faschist

In den nächsten Tagen erscheint im Walter-Verlag (Olten und Freiburg) von dem jungen Soziologen Hans Mathias Kepplinger das Buch "Rechte Leute von links – Gewaltkult und Innerlichkeit", das sich vor allem mit Hans Magnus, Enzensbergers kritischen Aufsetzen, Polemiken und Theorien auseinandersetzt.

Verordneter Glaube

Niemand in diesem Raum ist gewillt, die Unauflöslichkeit der Ehe anzugehen – so der affirmative Einwurf eines Arbeitskreis-Teilnehmers in der letzten Woche beim Trierer Katholikentag.

Drum forsche, wer sich ewig bindet

Von Liebe war nie die Rede bei Dr. William Masters, dem amerikanischen Gynäkologen und Sex-Wissenschaftler mit internationalem Renommee, dafür aber um so mehr davon, wie man sie betreibt.

Für Thilo

Davor erschienen: "Eine Jugend war das Opfer" (Roman, Berlin 1946); "Stille und Klang" (Gedichte, Berlin 1947); "Zwischen Grunewald und Brandenburger Tor" (Feuilleton, München 1956); "Gottfried Benn" (Biographischer Essay, München 1957); "Berliner Luftballons" (Feuilletons, München 1958); "Casanova" (eine Studie, München 1959); "Zwischentöne" (ein Skizzenbuch, Berlin 1963); "Tagebuch aus Washington I, II, III" (Hamburg 1963/64); "Wohin des Wegs, Deutschland?" (München 1965); "Briefe aus Krähwinkel" (Hamburg 1965); "Neue Briefe aus Krähwinkel" (Hamburg 1967); "Kämpfer für eine neue Welt" (Luzern 1968); "Fünf Jahre der Entscheidung" (Frankfurt 1969); "Auf dem Schachbrett der Sowjetunion: die DDR" (Hamburg 1970); "Die Goldenen zwanziger Jahre" (Frankfurt 1970).

ZEITMOSAIK

Über zweihundert Filme zwischen 45 Sekunden und 125 Minuten sind auf der "Hamburger Filmschau 1970" zu sehen, die vom Donnerstag bis zum Sonntag, dem 20.

Kunstpreis ohne Preis

Weil die Jury davon überzeugt war, daß "die punktuelle Prämierung von Einzelleistungen und Einzelpersönlichkeiten nicht mehr vertretbar sei", ließ sie, das ist jetzt knapp ein Jahr her, den "Kunstpreis der Jugend" auffliegen: Die Juroren, allen voran Gernot Bubenik, weigerten sich, die 10 000 Mark, mit denen der seit 1959 bestehende Preis dotiert war, zu verteilen.

Von deutschen Buchhändlern

Natürlich ist der Titel "Von deutschen Buchhändlern", Walter-Jens-betört, viel zu großartig für mich. Was heißt schon "von"? Und haben Sie wirklich alle durchgemustert, alle deutschen Buchhändler, um über sie Allgemeines, Gültiges, wie man in Evangelischen Akademien immer hofft, sagen zu können? Ist es abgewogen, ausgewogen, wie es die Rundfunkstatuten fordern? Ist es auch schön ausbalanciert: einerseits, andererseits .

Kunstkalender

Eine erweiterte und partiell verbesserte Neuauflage der Retrospektive, die das Landesmuseum Münster 1968 für den 80jährigen Albers veranstaltete.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Pli selon pli – Stich für Stich zieht der amerikanische Plattenkonzern CBS seine Boulez-Trümpfe aus dem Ärmel: Nachdem der französische Komponist als Dirigent sich auch für die Firma mit Debussy, Berlioz und Strawinsky genügend Reputation verschafft hat, darf er nun, sorgfältig dosiert, seine eigenen Werke einspielen.

Charme und Witz aus Kistenholz

Mario Ceroli stellt in Essen aus, im Museum Folkwang. Zum erstenmal hat ein Museum ihn solcher Ehre für würdig befunden. Er verdient diese und andere Ehren – obwohl man sich nicht dafür verbürgen kann, daß Mario Ceroli ein "wichtiger" Künstler ist.

Abroad - Del extranjero - De l’étranger: Hochgekrempelte Ärmel in Stratford on Avon

Die Bühne, die Sally Jacobs für Peter Brooks Stratforder "Sommernachtstraum"-Inszenierung gebaut hat, ist ein leerer Raum, von weißen Wänden umstellt, in die hinten zwei Türen, rechts und links zwei schmale Durchgänge eingelassen sind; um den oberen Rand der Wände läuft eine Galerie, darauf spielen die Musiker, hantieren die Requisiteure, beobachten die nicht beschäftigten Spieler das Spiel.

Bilderstürmerei

Für drei Wochen im Jahr endet sie, die festspiellose, die schreckliche Zeit. Dann darf alles sein, was sonst puritanisch verpönt ist in der schottischen Hauptstadt.

Bedingt verwendbar

Wer sich mit moderner deutscher Kunst beschäftigt, hat mehr Gelegenheit, als ihm lieb ist, um immer wieder festzustellen: An vielen schönen einzelnen Katalogen ist zwar kein Mangel (im Gegenteil: Kataloge werden immer mehr zu einem dekorativen Selbstzweck, die Diskrepanz zwischen Anlaß und Aufwand ist oft einfach lächerlich), aber wenn man schnell irgendwo nachschlagen möchte, wann Werner Nöfer geboren ist oder welche Kunstpreise Heinz Mack bisher einsammeln konnte, dann ist es immer das gleiche Elend, dann reichen Nachschlagewerke oder Lexika bis Nolde, allenfalls bis Nay inklusive.

Aus dem Sammelbecken

Erst das dritte Buch zeige, was ein Schriftsteller wirklich taugt – ganz falsch scheint mir diese skeptische Ansicht nicht. Sie geht von der Erfahrung aus, daß in der Literatur der erste Schritt keineswegs der schwerste ist.

Hoch hinaus

Wer sitzt im Elfenbeinturm? So heißt ein Essay von Ludwig Marcuse, in dem es die folgende Stelle gibt: "Keine Spezies von Türmen hat aber soviel Aufmerksamkeit gewonnen wie der aus Elfenbein; wenn auch heute nur noch ein einziger von Ruhm beglänzt ist – und der ist ein Schlagwort.

KRITIK IN KÜRZE

"Stalinismus und Bürokratie" von Leo Kofler. Die marxistische Stalinismus-Kritik hat in Leo Kofier einen ihrer führenden und noch viel zu wenig gewürdigten Vertreter.

Das Rom der weißen Telephone

hindurchzukämpfen – aber die Reize sind nicht literarischer Natur. Man entdeckt ein Italien, vielmehr ein Rom, das in Deutschland nicht bekannt ist und das auch in der Erinnerung der Italiener erfolgreich verdrängt wurde: das Rom der "weißen Telephone".

Wirre Emigrations-Geschichte

Kurt Grossmann verließ Deutschland am Tag nach dem Reichstagsbrand, ein Emigrant der ersten Stunde. In Prag baute er die Demokratische Flüchtlingsfürsorge auf.

Der amerikanische Film "Getting Straight": Die Revolte: vor allem sexy

Hollywood weiß sich zu helfen. Die kranke Filmstadt hat aus den Welterfolgen "Easy Rider", "Flesh", "Midnight Cowboy" sowie "Alice’s Restaurant" gelernt und schnell zwei Patentrezepte daraus abgeleitet: Junge Regisseure – oder Themen für ein junges Publikum, für die rund siebzig Prozent amerikanischer Kinobesucher unter fünfundzwanzig Jahren.

Fernsehen: Zäher Start für Wim Thoelke

Drei mal neun heißt die neue Sendung und Wim Thoelke ihr neuer Showmaster. Und da beide sich der Aktion Sorgenkind verschrieben haben, einer guten Sache also, ist man in der angenehmen Lage, ein Auge zudrücken zu können.

Deutschland-Tournee der Rolling Stones: Mit Erfolg zurück nach vorn

Beim Rolling-Stones-Konzert in Hamburg blieb ein Stein auf dem anderen. Anders als bei der Deutschlandtournee von 1965, wo die Fans der Stones beispielsweise die Berliner Waldbühne zu Kleinholz zerhackten, bevor die Polizei mit ihnen das gleiche versuchte, gingen die rund siebentausend Zuschauer "gesittet" aus der Ernst-Merck-Halle, nachdem sie vorher ein wenig etwas geschrien hatten, was – als Massenchor – wie "Blutrache" klang, aber doch wohl "Zugabe" hieß.

FILMTIPS

Im Fernsehen: "Vierzig Gewehre" (1957), von Samuel Fuller. "Jede Szene, jede Einstellung dieses brutalen und wilden Westerns, in Cinemascope und Schwarzweiß in weniger als zehn Tagen gedreht, ist, trotz einer unverständlichen Handlung, von großem Erfindungsreichtum und strotzt von Regieeinfällen, deren Gewagtheit an die Verrücktheiten von Abel Gance oder Stroheim erinnert", schrieb Jean-Luc Godard 1957 über den Film, von dem er sich in seinen eigenen deutlich beeinflußt zeigte.

Kein Prosit für Werner Höfer

Keine Abwehr gegen Luftterror? Gewiß, das bringt die Gemüter in Rage. So wurden Fragen......................................

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