ARD, Sonntag, 13. September: "Internationaler Frühschoppen"

Keine Abwehr gegen Luftterror? Gewiß, das bringt die Gemüter in Rage. So wurden Fragen. inquisitorisch zugespitzt, wurde agitiert, wo man Argumente hätte abwägen sollen, schlug man sich Halbsätze um die Ohren; und daß Nayef Mutlaq, Korrespondent der Jordanian News Agency, sich dabei nicht gerade wie ein Kühler, Klarer aus Nordfriesland benahm, wen wundert’s?

Verwunderlich, gelinde gesagt, war vielmehr, daß Werner Höfer den Jordanier dann mit einem ganz und gar nicht mehr schiedsrichterlichen Wort zum stellvertretenden Buhmann der arabischen Welt stempelte: Da könne man sehen, Araber wollen sich nur selbst reden hören... Der Gesprächspartner, der Nayef Mutlaq auch in diesem Un-Gespräch noch war, wurde gleichsam zum Demonstrationsobjekt.

Einem minder erfahrenen, weniger selbstsicheren Diskussionsleiter hätte man das als lapsus linguae durchgehen lassen, wenn auch solche Zungenpanne meist der Ausdruck eines Gedankenkurzschlusses ist. Für Werner Höfer kann das nicht gelten. Und auch den dramatischen Schluß dieses Frühschoppens ohne Prosit möchte man ihm nicht abkaufen. "Es ist aussichtslos. Wir kommen zu keinem Gespräch. Ich breche die Diskussion ab", erklärte er. Es war Punkt 12.45 Uhr, Ende der Sendezeit. Was gab’s da noch "abzubrechen"?

Der "Internationale Frühschoppen" steht seit einiger Zeit in Konkurrenz zu einer anderen Sendung: einige Millionen hören weg und hören dem "Sonntagskonzert" des ZDF zu. So darf man vermuten, daß Werner Höfer seiner politisierenden Halbrunde entweder mehr Gewicht geben oder sie doch lauter ins Gespräch bringen möchte. Warum nicht? Doch wenn er, wie diesmal, schon durch die Auswahl der Teilnehmer eine Ladung Dynamit in die Diskussion steckt und die Lunte nicht löscht und sich schließlich selbst als Sprengmeister betätigt, ja, dann kracht es eben.

Merke: ein Frühschoppen endet mit einem Prosit. Alexander Rost