Düsseldorf Bis zum 4. Oktober, Städtische Kunsthalle: "Josef Albers"

Eine erweiterte und partiell verbesserte Neuauflage der Retrospektive, die das Landesmuseum Münster 1968 für den 80jährigen Albers veranstaltete. Werner Spieß hat die Ausstellung, rund 250 Arbeiten, einerseits chronologisch, andererseits nach didaktischen Erfordernissen arrangiert. Thematische Zusammenhänge, das Gesetz von Serie und Variation, übergreifende Gemeinsamkeiten werden akzentuiert, der geruhsame Ablauf wird, um Monotonie zu vermeiden, durch Einzelbilder unterbrochen, die isoliert und vor einer schwarzen Wand präsentiert werden, ein zusätzlicher Irritationseffekt für das Auge und insofern dem Werk des Malers nicht unangemessen, der wie kein zweiter das verunsicherte Sehen thematisiert hat. Über diesen Aspekt seiner Arbeit herrscht totale Einmütigkeit unter allen Albers-Interpreten. Er ist der Meister des visuellen Trainings, der Sehgewohnheiten in Frage stellt, der, ein Einstein der Malerei, die Farbe als relativen Wert begriffen, ihre Abhängigkeit von subjektiven und objektiven Faktoren experimentell nachgewiesen und theoretisch mit der "Interaction of Color" begründet hat. Aber mit dem bloßen Sichtbarmachen von Sehfakten, von physischen Tatbeständen ist es nicht getan. Der Altmeister selbst gibt mit poetischen Metaphern und orphischen Urworten Hinweise auf eine geheimnisvolle höhere Dimension. "Kunst vorerst ist nicht zum Ansehen – denn Kunst sieht uns an... Darum ist Kunst dort, wo Kunst uns ergreift." Hier wird ein irrationales und emotionelles Moment angepeilt, das im Montage to the Square" sich aber gerade nicht nachweisen läßt. Jeder, der über Albers schreibt, betont (auch Werner Spieß in seinem Vorwort, das er "Surrealistische Geometrie" überschreibt), es würden "über die Variationen des Sehens tiefere menschlich-soziale Probleme intendiert". Aber niemand macht sich die Mühe, diese Probleme näher zu definieren.

München Bis zum 30. September, Galleria del Levante: "Fernand Khnopff"

Der vergessene belgische Symbolist, Ehrengast im "Salon de la Rose Croix", erlebte seine spektakuläre Wiederkehr, als Recklinghausen vor ein paar Jahren in den "Bereichen des Phantastischen" sein Gemälde "Die Kunst, Die Zärtlichkeiten oder Die Sphinx" ausstellte, ein großartiges Fundstück aus der Vorgeschichte des Surrealismus. In München ist es leider nicht ausgestellt. Dafür hat die Galleria del Levante, spezialisiert auf Art Nouveau und Symbolismus, einige unbekannte Gemälde und viele exzellente Zeichnungen aus belgischem und italienischem Privatbesitz zusammengebracht. Ansichten aus Brügge, das im Symbolismus eine ähnliche Rolle spielt wie Ferrara für die Pitture Metafisica, sowie Porträtstudien, bei denen die Technik des Pointillismus sich als probates Mittel erweist, neurotische Zustände zu signifizieren, und eine Reihe von Aktzeichnungen, die den Vergleich mit Klimt herausfordern. Khnopff hat mehrfach in Wien ausgestellt, sicher hat Klimt ihn gesehen und von seinem subtilen und ekstatischen Zeichenstil profitiert.

Gottfried Sello

Weiterhin im Programm:

Hannover Bis zum 27. September, Kunstverein: " Robert Rauschenberg"