Der 83. Deutsche Katholikentag in Trier hat die mit ihm verknüpften Erwartungen nicht erfüllt. Unter dem Motto "Gemeinde des Herrn" war er bewußt als Arbeitstagung konzipiert worden; aber die Diskussionen und Referate in den sechs Foren und 27 Arbeitskreisen erbrachten keine schlüssigen Ergebnisse.

Die Kritiker, allen voran die "Aktion Kritische Gemeinde", bemängelten die Abwesenheit wichtiger katholischer Würdenträger, die Scheu der Referenten, vom Grundsätzlichen ins Detail der zweifelhaft gewordenen Gemeindearbeit hinabzusteigen, und die Gängelung der rund 5000 Teilnehmer durch das Zentralkomitee. Der Trierer Bischof Bernhard Stein faßte das Ergebnis in den Worten zusammen, der Katholikentag habe bewirkt, daß Probleme schärfer herausgearbeitet und die Notwendigkeit ihrer Lösung betont wurden.

Deutlich artikuliert wurden zwei Probleme: die schwindende Bedeutung der Kirche in der Öffentlichkeit und die allgemeine Glaubenskrise. Der Jesuitengeneral Pedro Arupe sagte in seinem Referat, die innere Situation der Kirche in der Welt sei durch eine tiefgreifende Glaubenskrise und Glaubensnot gekennzeichnet. Die Verkündigung des Glaubens müsse den realen Welt- und Lebenserfahrungen des Menschen von heute entsprechen.

Auf weiter Strecke bildete die Affäre um den brasilianischen Erzbischof Helder Camara das beherrschende Thema. Der sozial engagierte Camara war von einem Amtskollegen aus Brasilien als ehemaliger Faschist und Kommunist denunziert worden. Auf Drängen der Teilnehmer distanzierte sich der Kirchentag von dieser Beschuldigung. (Siehe auch Dokumente der ZEIT).