Geiz entwickelt Finanzminister Alex Möller, wenn es darum geht, deutschen Auslandsvertretungen repräsentative Kanzleien einzurichten. Kummer hat vor allem der deutsche Botschafter in Mali, Michael Jovy. Von seinem französischen Kollegen mußte er sich im Hinblick auf das repräsentative Gebäude der DDR-Handelsvertretung sagen lassen, die Bundesrepublik sollte doch auch etwas mehr Würde zeigen. Und Jugoslawiens Botschafter in Mali witzelte: Ihre Kanzlei erinnert m:ch immer an einen Krämerladen.“ Trotz wiederholter Hinweise auf die schlechten Kanzleiverhältnisse, unwirtschaftliche Ausstattung und die zerschlissenen Polstermöbel hat das Finanzministerium bislang aber keine Mittel bewilligt.

Klagen über die allzu sparsame Haushaltsführung läßt auch der deutsche Botschafter in Senegal, Rudolf Junges, vernehmen. Bonn zögerte die Bewilligung eines neuen Dienstwagens für den Botschafter immer wieder hinaus. Der Botschafter kann sich bei Dienstgeschäften mit seinem alten, klapprigen Mercedes 190 – Tachostand rund 100 000 km – nicht mehr in entlegene Gebiete wagen.

Da Alex Möller neben seinem Dienstwagen auch noch einen Privatwagen unterhält, „könnte er seinen Ministerwagen einschließlich Klimaanlage nach Afrika schicken“, schlug ein Fraktionskollege des Ministers vor.

Im übrigen huldigt Alex Möller aber keinem übertriebenen Luxus im Amt. Sein Kabinettsreferent Jürgen Jekewitz lud einige Bonner Journalisten zum Beweis dafür eigens in das Ministerbüro ein. Sie sollten sich an Ort und Stelle davon überzeugen, daß Möller keineswegs eine Ministerflucht mit aufwendiger Ausstattung bewohnt. Tatsächlich unterscheidet sich sein Büro kaum von dem der anderen Bonner Minister. Auch das vom „Handelsblatt“ geschilderte Luxusklo des Ministers entpuppte sich bei der Bestätigung als gewöhnliche Durchschnittstoilette. Luxusgewohnheiten des Ministers ließen sich höchstens am Kühlschrank in Möllers Büro messen, doch den „hat der Minister aus seinen Privatbesitz mitgebracht“, erläuterte Referent Jekewitz.

Eine merkwürdige Informationspolitik auf Kosten der Steuerzahler betreibt Verteidigungsminister Helmut Schmidt. Er, der sich vor Wochen noch über diverse „Dienste und Dünste“ mokierte, in denen angeblich „halbgare“ Beschaffungsfragen usw. verbreitet werden, half jetzt mit, den Dunstkreis zu erweitern. Ein neuer Pressedienst wurde ins Leben gerufen: „Verteidigungspolitische Information für Politik und Presse.“ Auflage 2000 Exemplare, übliche Abnahmegarantie in unbekannter Höhe durch das Presseamt. Der verantwortliche Redakteur heißt E. Thomer. Er galt früher alles andere als SPDfreundlich, legte sich beim Regierungswechsel aber schnell in die entsprechende Kurve. Ein anderer CDU-freundlicher Verleger blieb hingegen auf der Strecke, der Kölner Lothar Lorisch, dessen „Wehrpolitische Informationen“ nun nicht mehr Subvention niert wird. Lorisch über die Kündigung durch Schmidt: „Ich hätte mir ein solches Sprachrohr, wie es besser nicht sein kann, doch erhalten.“

Karl Schiller wird auf der Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Kopenhagen zu den umworbensten Persönlichkeiten zählen. Nicht nur der Finanzminister des größten Landes, David Kennedy, auch der des kleinen Mauritius, V. Ringadoo, haben über diplomatische Kanäle wissen lassen, daß sie am Rande der Mammutkonferenz – für die sich bereits die skandinavische Apo interessiert – Bonns Wirtschaftsminister sprechen möchten. Schillers Gehilfen zerbrechen sich den Kopf, was der Kassenhüter von Mauritius wohl auf dem Herzen habe: „Vielleicht will der gar nichts von uns, sondern möchte nur die Briefmarkensammlung unseres Ministers um die blaue Mauritius bereichern?“

Die Bemühungen von Staatssekretär Conrad Ahlers, die Öffentlichkeitsarbeit der Ministerien im Presseamt zu konzentrieren, stoßen beim Wirtschafts- und Finanzministerium auf hartnäckigen Widerstand. Beide Häuser sehen keinen Sinn darin, alles Ahlers zu überlassen. „Wir müssen ja doch so oder so zuliefern“, heißt es im Finanzministerium. Karl Schillers Public-Relations-Manager Jörg Bieberstein schätzt die Fachqualitäten des Wirtschaftsministeriums überdies höher ein als die des Presseamtes, was Ahlers’ Abteilungsleiter Inland, Ministerialdirektor Werner Müller, auch nie bestritten hat.

Dennoch möchte Müller mehr Macht. Bieberstein hingegen plädiert nur für mehr Koordination und gegenseitige Information. Und ganz im Sinne der Schillerschen Fusionskontrolle fürchtet Bieberstein: „Konzentration bedeutet Gefahr von Macht, Manipulation und Wettbewerbsbeschränkung.“