Auf dem Essener Katholikentag 1968 hatte sich der deutsche Katholizismus ein neues Image verschafft. Die Freimütigkeit und der spontane Elan, mit denen dort altgediente Selbstdarstellungsverfahren zu offenen Gesprächen umfunktioniert, die Amtskirche attackiert und reformerische Ideen verfochten wurden, hatten für ein neues Kennwort gesorgt: Mündigkeit.

In Trier zeigte sich in der vergangenen Woche, daß von all dem nicht mehr viel geblieben ist. Bei diesem "kleinen" Katholikentag, einer "Arbeitstagung", fielen in über hundert langen Referaten, in zähen Diskussionen und Gottesdiensten zwar viele und auch schöne Worte über die "Gemeinde des Herrn", dazu gab es auch gelinden Protest und ein paar zahme Resolutionen; die Quintessenz aber konnte der Trierer Bischof Stein schnell mit den schlichten Worten zusammenfassen, daß die "Dringlichkeit der vorhandenen Probleme noch deutlicher und klarer bewußt wurde". Was auch bewußt wurde: Vom deutschen Katholizismus sind zur Zeit wesentliche Impulse und Initiativen nicht zu erwarten.

Zu sehr hat die Gegenbewegung der nachkonziliaren Restauration den deutschen Episkopat wie die Laiengremien verschüchtert, zu deutlich haben die Anwälte der Reform einsehen müssen, daß ihre Bemühungen zur Zeit gegen die retardierenden Kräfte in der Hierarchie wirkungslos bleiben. Wie sehr die in Essen verspürte Bewegung zum Stillstand gekommen ist, mußte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz bekennen. Gefragt, was aus den Resolutionen von Essen 1968 geworden sei, verwies Kardinal Döpfner auf seinen Besuch bei Papst Paul VI: "Wir haben gegenseitig unsere Meinungen dargelegt."

Die Konsequenz aus dieser Stagnation zog auch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken: Den für 1972 fälligen Katholikentag wird man ausfallen lassen. H. J. H.