Ohne konkretes Ergebnis, aber mit vielen Zeichen innerer Schwäche, Uneinigkeit und Unsicherheit ging die dreitägige Gipfelkonferenz der blockfreien Staaten in der sambesischen Hauptstadt Lusaka zu Ende. Geschwunden ist die optimistische Vorstellung, die noch die Konferenzen in Belgrad (1961) und Kairo (1964) beherrscht hatte: daß die Blockfreien im Schatten der Großmächte eine aktive, eigenständige Friedenspolitik führen könnten. Ebensowenig scheint es kaum möglich, angesichts divergierender Interessen eine von den Großmächten unabhängige Politik gegenseitiger Unterstützung und Entwicklung zu praktizieren.

Immerhin: Aus den Resolutionen der 54 teilnehmenden und zehn beobachtenden Staaten schälte sich ein neues, gemeinsames Bewußtsein heraus, zu dem die zahlenmäßig überwiegenden Vertreter Schwarzafrikas viel beitrugen: Ehemalige Kolonialgebiete haben eine gemeinsame Vergangenheit und also gemeinsame Probleme, die sich vielleicht gemeinsam lösen lassen.

Darauf abzielende Vorschläge für eine finanzielle, wirtschaftliche und technischwirtschaftliche Zusammenarbeit zählen zu den Aktiva der Konferenz, auf der ansonsten solche Differenzen zutage traten, daß die Veröffentlichung des Schlußkommuniqués immer wieder verschoben wurde.

Fast einmütig verurteilt wurden die "neoimperialistischen" und "neokolonialistischen" Staaten und jene Mächte, von denen sie durch Waffenlieferungen, Handel und politisch-militärische Bündnisse gestützt werden. Scharf angegriffen wurde die Bonner Beteiligung am Cabora-Bassa-Projekt. Nahezu wörtlich übernahm die Konferenz die von der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in Addis Abeba erarbeiteten Resolutionen gegen Rassendiskriminierung, Waffenhandel, Kolonialismus und Imperialismus, wie Lusaka überhaupt in vieler Beziehung eine Fortsetzung der OAU-Konferenz zu sein schien.

Das zeigte sich auch in der Tatsache, daß über Afrika hinausgehende Probleme mit geringerer Intensität behandelt wurden. Zwar wurde die Auflösung aller Militärbündnisse gefordert – "Das Gleichgewicht des Schreckens hat keinen Frieden gebracht" –, aber Zielscheibe der Kritik war zumeist der Westen, waren die ehemaligen Kolonialherren. Gegen solche Einseitigkeit traten nur wenige Politiker auf: Tito, der jede Kritik an den Großmächten vermied; der indonesische Staatschef Suharto, der vor der "Aggression unter dem Mantel der Subversion" warnte; der Ministerpräsident von Singapur, Lee Kuan Yew, der die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den meisten blockfreien Staaten nüchtern analysierte; und Indiens Ministerpräsidentin Indira Gandhi, die dringend mahnte, den Worten jetzt Taten folgen zu lassen,

Diese vier Politiker versuchten auch, die Blockfreiheitspolitik im Verhältnis zu den beiden Blöcken neu zu bestimmen. Bei den sich abzeichnenden Begrenzungen von Rüstungen und Einflußsphären werde eine Politik, die sich auf den Ost-West-Gegensatz stützen wolle, immer fragwürdiger.

Zum Abschluß verabschiedete die Konferenz Resolutionen, in denen der bedingungslose Abzug aller fremden Truppen aus Vietnam und Sanktionen gegen Israel für den Fall gefordert wurden, daß es die besetzten Gebiete nicht räumt, Zugleich wurden alle blockfreien Länder zu verstärkter Solidarität aufgerufen, damit in einer wirklich friedlichen Welt auch die letzten Diskriminierungen von Staaten, Völkern und Rassen verschwinden.