Die Lage im Nahen Osten ist nach den Flugzeugentführungen verworrener denn je. Zwar hat die "Volksfront für die Befreiung Palästinas" mit ihren Aktionen bewiesen, daß sie einen Teil Jordaniens beherrscht, aber gleichzeitig haben der Irak und Syrien, die bisher bedingungslos die Partisanen im Kampf gegen die jordanische Regierung unterstützten, die Entführungen und Geiselmorddrohungen mißbilligt. Auch das Zentralkomitee der palästinensischen Organisationen hat das terroristische Vorgehen der Volksfront verworfen.

Parallel zu diesen internen Auseinandersetzungen gingen die Kämpfe zwischen jordanischen Regierungstruppen und Freischärlern trotz verschiedener Waffenstillstandsabkommen weiter. Um die Kämpfe zu beenden, die bisher mindestens 300 Tote gefordert haben, übertrug König Hussein Generalstabschef Mashur el Haditha unbeschränkte Vollmachten. Am Mittwoch übernahm eine Militärregierung die Macht.

Gespannte Ruhe herrschte an der Kanalfront. Jerusalem trug dem Weltsicherheitsrat neue Beschwerden über ägyptische Verletzungen des Waffenstillstands vor: Es seien nicht nur neue Raketen in die 30-Kilometer-Zone gebracht, sondern auch neue Stellungen vorbereitet und ausgebaut worden. Am letzten Wochenende gab die Moskauer "Istwestja" erstmals "geringfügige Änderungen" der Raketenstellungen zu.

Die USA haben Israel die Lieferung von Phantom-Kampfflugzeugen und elektronischen Materials zugesagt, aber sie verschlossen sich dem israelischen Drängen, den Zustand wie zu Beginn der Waffenruhe wiederherzustellen. Israel macht davon die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Vermittler Gunnar Jarring abhängig. Am Freitag trifft Golda Meir mit Präsident Nixon zusammen. Washington hat keinen Zweifel gelassen, daß es trotz der Waffenstillstandsverletzungen die Jarring - Gespräche als einzige Lösung betrachtet.