ZDF, Donnerstag, 10. September: "Dreimal neun"

Drei mal neun heißt die neue Sendung und Wim Thoelke ihr neuer Showmaster. Und da beide sich der Aktion Sorgenkind verschrieben haben, einer guten Sache also, ist man in der angenehmen Lage, ein Auge zudrücken zu können. Ginge es nicht ums "Sorgenkind", so müßte man an der zäh dahinfließenden Show allerdings schier verzweifeln.

Als Nummer eins der Sendung präsentierte sich Wim Thoelke. Auf der Suche nach Show-Talenten war das ZDF auf den gemütlichen Sportmoderator mit der Statur eines Bären verfallen. Wim Thoelke, der eine große Zuschauergemeinde hinter sich weiß, wurde von der Frankfurter Rundschau bescheinigt, er habe den Sprung zum Quizmaster behend geschafft. Nun, so behend schien es nicht. Was sich da in der Saarlandhalle in Saarbrücken abmühte, glich eher einem braven, langatmigen Reiseführer, der einer Omnibusladung älterer Herrschaften die Zeit vertreiben muß. (Ich bin sicher, dem schnauzbärtigen "Heute"-Moderator Hanns Friedrich wäre der Sprung zum Showmaster einfacher gelungen.) Vielleicht war es aber auch Schuld der miserablen Regie und ihrer belanglosen Einfälle. Oder aber ich bin humorlos, weil ich über den Kleinkünstler, der bayrische Ferkel und Säue zu imitieren Wußte, nicht lachen konnte, auch nicht über den sinnigen Ritt eines Mitspielers auf seinem Schaukelhuhn oder über den alten Hut von einer Frauenperücke auf dem Kopf von Max Greger. Auch Wencke Myhre und Udo Jürgens schafften es nicht, einem den Abend zu versüßen, sowenig wie die Damen vom Ballett. Kurz – viel Neues gab’s nicht.

Die nächste Sendung "Drei mal neun" kommt dennoch bestimmt. Warten wir ab, die neue Emma Peel schaffte es auch erst mit dem dritten Anlauf. Vielleicht braucht auch der schwere Wim Zeit, sich aufzuwärmen. Hang v. Kuenheim