DIE ZEIT

Zum Frieden verdammt

Über den Krieg von 1812 schrieb Leo Tolstoi: "Der Krieg kam, weil er kommen mußte." Es war jener Krieg, in dem große Teile Westrußlands, Deutschlands und Frankreichs zerstört wurden.

Unpopuläre Wahrheit

Es gibt hierzulande kaum ein durchschlagenderes Mittel, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung zu erschüttern, als den Vorwurf, sie betreibe eine erschüttern, Politik.

Bruchlandung

Der Senkrechtstarter der französischen Politik hat eine Bruchlandung gemacht. Jean-Jacques Servan-Schreiber Frankreichs politisches und publizistisches Wunderkind, wurde am vergangenen Wochenende bei einer Nachwahl zur Pariser Nationalversammlung aus allen seinen Träumen gerissen.

Vom Mond

Zum zehnten Male ist eine unbemannte Raumkapsel auf dem Mond gelandet und dabei unzerstört geblieben. Zum ersten Male kehrt ein solcher Roboter zurück: "Luna 16" hat gestochen scharfe Photos gefunkt, den Mond fünfunddreißig Zentimeter tief angebohrt, Gesteinsproben eingesammelt und allerlei Messungen vorgenommen und ist dann wieder auf Erdkurs gestartet.

Warnschuß

Die Demoskopen tippten falsch. Die Sensation blieb aus: Bei den schwedischen Reichstagswahlen haben sich die bürgerlichen Oppositionsparteien auch nach 38jähriger sozialdemokratischer Herrschaft nicht durchgesetzt.

Zeitspiegel

Es vergeht fast kein Tag, an dem die Berliner Morgenpost nicht "Wohlverhalten" gegenüber der DDR entdeckt und kräftig moniert.

Londoner Gastfreundschaft m.b.H.

Rudi Dutschke erfuhr es vom Labourabgeordneten Michael Foot, der vom Innenminister Maudling. Ob es auf dessen Entschluß zurückgeht oder als Routinesache aus den Tiefen des Ministeriums auf seinen Schreibtisch kam, ist nicht zu klären.

Eine Ehe für den Frieden

Bei einem Besuch in Amerika vor anderthalb Jahren sagte Gunnar Myrdal: "Hier bin ich ein Weiser und ein älterer Staatsmann. In Schweden bin ich niemand.

Nixons Schreckschuß

Präsident Nixon deutete vor einigen Tagen in einem Informationsgespräch mit Zeitungsredakteuren in Chikago an, daß die Möglichkeit bestehe, amerikanische Truppen in Jordanien zu landen.

"O Palästinenser, Eure Stunde ist da!"

"Amman brennt!" Dieser Hilferuf der Fedajins, die in den Straßen der jordanischen Hauptstadt um ihr Leben kämpften, ging um die Welt.

Madame Binhs bittersüße Pille

Über den Kriegslärm im Nahen Osten hat man nahezu vergessen, daß im fernen Indochina nun schon seit mehr als zehn Jahren täglich Blut vergossen wird.

Ruhige hundert Tage

Seit Harold Wilson sich und seinem neugewählten Kabinett im Jahre 1964 "hundert dynamischen Tage" zur Frist gesetzt hatte, innerhalb derer er den "Immobilismus der Tories" zu überwinden gedachte, bürgerte sich diese Spanne als Schonzeit für neue Regierungen ein.

Die DDR – das "eiserne Eineck"

Der Vertrag zwischen Bonn und Moskau ist nun seit sechs Wochen unterzeichnet, und noch immer hat Ost-Berlin nicht deutlich zu erkennen gegeben, wie dieses Abkommen seine Haltung zur Bundesrepublik beeinflußt.

Die unvollendete Revolution

Nein. Es wäre mir natürlich lieber, das Buch könnte in der DDR erscheinen. Aber wenn das eines Tages möglich sein wird, wird auch ein großer Teil der von mir geübten Kritik gegenstandslos geworden sein.

Alltag in der DDR (II):: "Es soll Provokation sein"

Manfred ist ein 19jähriger Elektromechaniker aus Luckenwalde bei Berlin. Als ich ihn an einem Sonntag im Park von Sanssouci in Potsdam traf, trug er Blue jeans und eine schwarze Bluse; unter einer rotkarierten Schildmütze quollen lange, bis zum Hals reichende Haare hervor.

Höchstes Gut:: Der Rasen

Wir dürfen Sie ebenso höflich wie dringend bitten, zukünftig den Anordnungen unserer Hauswarte unbedingt Folge zu leisten. Wir betrachten derartige Vorfälle als Mißachtung der Hausordnung.

Falscher Tupamaro: Zum Schleuderpreis

Schon vor drei Jahren, als Kunzelmann und Teufel in Westberlin noch als Politclowns fungierten, war mit dem Verkauf von echten "Insider"-Geschichten aus dem politischen Untergrund ein gutes Geschäft zu machen.

Vereinte Nationen: Debatte um Peking

Ministerpräsident Tschou En-lai wird nach dem 21. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China in zwei Etappen elf afrikanische und europäische Länder besuchen, mit denen Peking wieder volle diplomatische Beziehungen unterhält.

Bordeaux: Kein Sieg für J.J.S.S.

Bei einer vielbeachteten Nachwahl zur französischen Nationalversammlung hat Ministerpräsident Chaban-Delmas am Sonntag in Bordeaux einen überwältigenden Sieg über seinen Konkurrenten Jean-Jacques Servan-Schreiber davongetragen.

Union wartet mit dem Urteil

Die Differenzen zwischen der Regierungskoalition und der Opposition im den Moskauer Vertrag sind noch nicht beigelegt, aber die polemischen Auseinandersetzungen sind weitgehend verstummt.

Bürgerkrieg in Jordanien dauert an

Die politische und militärische Lage in Jordanien hat sich bedrohlich zugespitzt. Erklärungen aus den arabischen Hauptstädten, aus Jerusalem und den Quartieren der Palästinenser kündigten einen neuen Nahostkrieg an.

Dokumente der ZEIT

"Brüderliche Mitbürger: Unser geliebtes Land steht seit langem in der Gewalt von stümperhaften Versuchen, Ungewißheit, Chaos und Mangel an Sicherheit in diesem geliebten Heimatland.

Schweden: Erfolg der KPS

Die schwedischen Sozialdemokraten haben ihre absolute Mehrheit verloren: Am Sonntag büßten sie bei den Wahlen zum neuen Ein-Kammer-Reichstag 3,7 Punkte (1968: 50,1 Prozent) ein und stellen jetzt 166 Abgeordnete im 350köpfigen Reichstag.

Alle reden von Kettenläden

Die Rede von der Krise des deutschen Buchhandels ist so alt wie der Buchhandel selber. "Der Buchhandel schläft. Soll es so weitergehen?" (Eugen Diederichs, 1922).

Die Messe der Ungleichen

Das Bild, das die Frankfurter Buchmesse dem Besucher bietet, ist natürlich Betrug. Da reiht sich, äußerlich fast gleich und gleich groß, Koje an Koje oder allenfalls an Doppelkoje, so als bestünde der Verlagsbuchhandel aus lauter nahezu gleichen Entitäten, wie sie der frühe Liberalismus bei seinem Gesellschaftsbild voraussetzte.

Kein Ende des Buchzeitalters

Als vor dem Ersten Weltkrieg die Auflage der Zeitungen hohe Sprünge machte, stand im Buchhändlerbörsenblatt, in einer so materialistisch gesonnenen Zeit werde das Buch immer weniger Leser finden.

Kleine Koalition zwischen Kunst und Politik

Zum erstenmal in seiner langen Geschichte hat der Deutsche Künstlerbund sich nach Bonn begeben, der Bundeshauptstadt, die im geistigen Bereich, so sinnierte der Vorsitzende Georg Meistermann, kaum besondere Impulse ins Land der Deutschen auszustrahlen vermochte, im Gegensatz zu Berlin mit seinem großartig kritischen Selbstverständnis.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Als in Berlin 1966 seine Oper "Amerika" uraufgeführt wurde, ließ die Intendanz dem Programmheft einen Zettel beilegen, auf dem sie die Zuschauer bat, "den Ablauf der Vorstellung zu gewährleisten und Ihre Einstellung zu diesem Werk erst am Ende der Vorstellung zum Ausdruck zu bringen" – was ziemlich lautstark pro und kontra geschah.

Der Überfluß der Tragödie

Die Nachricht, die über Lessings "Emilia Galotti" am häufigsten verbreitet wurde und verbreitet wird, ist die vom genauesten dramatischen Kalkül: Das Trauerspiel sei ein Rechenexempel, in dem jeder Satz nur im Hinblick auf seine Funktion gesagt werde, in dem jeder Schritt in eine dramaturgische Gleichung eingebracht sei.

Alternativen zu Beethoven

Wer da glaubte, die Kulturverantwortlichen der Stadt Bonn hätten sich angesichts der 200jährigen Geburtstagsfeiern ihres genius loci von der fast schon pathologischen Einfallslosigkeit ihrer Kollegen in Salzburg, Wien oder anderswo anstecken lassen, irrte gewaltig.

Vertrauen verloren

Ein Vierteljahrhundert, nachdem Béla Bart6k auf dem Krankenbett des New Yorker West-Side-Hospitals verschied, beabsichtigt eine Hollywooder Filmproduktion die Verfilmung seines Lebens.

Linke in Irland

Linken FU-Angehörigen wurde Einreise nach England verweigert. – Unter dieser Überschrift berichtete die Berliner Morgenpost am 9.

Kunstkalender

Der 37jährige Spanier ist hierzulande kein ganz Unbekannter mehr: Er war auf der documenta und in Darmstadt bei der Ausstellung "Menschenbilder" dabei, wurde kürzlich bei Hanna Bekker vom Rath in Frankfurt gezeigt.

Fünf "Peterspfennige" für den Autor

Den Autoren mißfällt es, daß sie unentgeltliche Arbeit leisten. Immer, wenn ein Buch aus einer Bibliothek entliehen wird, geht der Autor leer aus.

Eintritt auf eigene Gefahr

Die angereisten Filmkritiker waren sauer. Vier Tage lang, vom 17. bis zum 20. September, sahen sie Filme, die sie zum größten Teil schon aus Oberhausen, Mannheim oder Stuttgart kannten.

FILMTIPS

Im Fernsehen: "African Queen" (1952), von John Huston, Bayern III am 25. September. "La Strada" (1954), von Federico Fellini, Südwest III am 26.

ZEITMOSAIK

Viele der größten menschlichen Errungenschaften enthalten ein Element des Rausches, der Leidenschaft, welche die kluge Vorsicht hinwegfegt.

Fernsehen: Halbgott in Schwarzweiß

Die Ansage machte es spannend. Ramon Gill, der Verfasser dieses Filmberichts über die Chefärzte in der Bundesrepublik Deutschland, wurde ausdrücklich als "engagierter Autor" vorgestellt, worin eben Distanzierung liegt.

Pro und Contra Haschisch: Schlechter Verlierer

Der Marburger Psychiater Professor Helmut Erhardt sagte, von mir in einer Fernsehdiskussion "Pro und Contra" danach befragt, kein Argument werde seine Einstellung zu Haschisch je ändern.

Ohne Kommentar

Klar, das ist hier kirchlich, woll, weil doch bei uns alles katholisch ist. Und der Pfarrer marschierte unter den Offizieren, Bevor wir jetzt zum Aufsetzen des Vogels gehen, wollen wir es nicht versäumen, den Herrgott anzubeten, eine Fahne rechts, eine Fahne links, Und dankbar darf ich bei diesem Zusammenhang erwähnen, daß die Beziehungen zwischen der Schützenbrüderschaft Sankt Michael und der Dortmunder Hansa-Brauerei inzwischen auch schon ein halbes Menschenleben bestehen, der Kranz vor dem Ehrenmal, Das is nur die Ehre, is das, ne Ehre für die Gefallenen und die Gestorbenen und so was, is ne Ehre dafür, nich, Stück für Stück platzte vom hölzernen Vogel, Denn diese Jugendgruppe, die soll ja in Zukunft etwas mehr dem Schießsport sich widmen, gerade die Jugend drängt darauf, und das ist eine wunderbare Sache.

Schattenbeschwörung

Am Morgen des 11. März 1969 begaben sich der Autor Eberhard Fechner, der Tonmeister Dieter Schulz und der Kameramann Rudolf Körösi an den Tatort – eine durch den sogenannten kleinen Eingang zu erreichende Behausung im Wedding Berlins, die seit dem 1.

"Fuzz" bei den Berliner Festwochen: Ein englisches Apo-Sing-out

Warum wohl wurde diese Truppe mit dieser Inszenierung nach Berlin geladen? Man kann da nur Vermutungen anstellen: Das "National Youth Theatre London" hatte vor Jahren mit Peter Tersons "Zigger-Zagger" auf den Berliner Festwochen einen ungewöhnlichen Erfolg.

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