Von Theo Sommer

Bernd Martin: "Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg. Vom Angriff auf Pearl Harbor bis zur deutschen Kapitulation"; Muster-Schmidt Verlag, Göttingen 1970; 326 S., Pläne, Abb., Karten, 69,80 DM.

In der Reihe der Monographien über die Diplomatie des Dritten Reiches fehlte bisher eine brauchbare Untersuchung des deutsch-japanischen Verhältnisses in den Jahren 1941 bis 1945. Jetzt – dreißig Jahre nach dem Abschluß des Dreimächtepaktes vom 27. September 1940 – hat der junge Marburger Historiker Bernd Martin die Lücke ausgefüllt. Sein Werk "Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg" trägt ein bisher ungeschriebenes Kapitel über den großen Konflikt nach; es fehlt jetzt nur noch eine gründliche Darstellung der Beziehungen zwischen Tokio und Berlin im Schlüsseljahr 1941.

Den Kenner der Materie können Martins Schlußfolgerungen nicht überraschen: Es gab im Kriege ebensowenig wie vorher ein deutsch-japanisches "Zusammengehen"; es kam nie zu militärisch-offensiver oder auch nur diplomatisch-defensiver Gemeinsamkeit des Handelns; der Weltkrieg wurde von Deutschland und Japan getrennt geführt und getrennt verloren. Damit wird im wesentlichen das Urteil bestätigt, zu dem der Rezensent vor über einem Jahrzehnt in einer Studie der deutsch-japanischen Beziehungen 1935 bis 1940 gelangte: Das Bündnis zwischen Hakenkreuz und Sonnenbanner mußte nach seiner Entstehungsgeschichte wie nach seiner Anlage eine wirkungslose Allianz bleiben. Zu einer koordinierten, weltumspannenden deutsch-japanischen Kriegführung ist es nie gekommen. Oft genug handelten beide Partner sogar gegen die Interessen des anderen.

Martins Studie belegt im einzelnen, wie der mit großem Fanfarenstoß angekündigte Dreimächtepakt in den ganzen Kriegsjahren nichts Wesentliches zu bewirken vermochte. Das Zeitgeschehen wurde durch diesen Pakt jedenfalls

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nicht entscheidend strukturiert. Die "Achse" zwischen Tokio und Berlin blieb letztlich im Episodenhaften stecken.